Am 19. September 2024 hat der Gleichstellungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft in einer Anhörung die Ergebnisse des Kommissionsberichts der Bundesregierung zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin diskutiert. Der Bericht zeigt klar auf, dass die derzeitigen Regelungen im Strafgesetzbuch in Paragraf 218 nicht nur im internationalen Vergleich überholt sind, sondern zudem auch Frauen diskriminieren und erhebliche Versorgungslücken provozieren. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen fordern den Senat deshalb dazu auf, sich auf Bundesebene für die Streichung des Paragrafen 218 und eine Fristenregelung außerhalb des Strafrechts einzusetzen sowie in Hamburg einen verbesserten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in den Blick zu nehmen. Ziel ist es, die reproduktive Selbstbestimmung zu stärken, die Versorgungslage nachhaltig zu verbessern und die Diskriminierung ungewollt Schwangerer zu beenden. Über den entsprechenden Zusatzantrag berät die Hamburgische Bürgerschaft in ihrer heutigen Sitzung.
Dazu Mareike Engels, frauenpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „Das Strafgesetzbuch ist der falsche Ort für Schwangerschaftsabbrüche. Es ist höchste Zeit, dass wir den Paragrafen 218 abschaffen und damit die reproduktive Selbstbestimmung von Frauen endlich stärken. Deutschland darf in dieser Frage nicht länger im letzten Jahrhundert verharren. Während andere Länder wie Frankreich das Recht auf Abtreibung in ihre Verfassung aufgenommen haben, erschwert der Paragraf 218 hierzulande weiterhin den Zugang zu sicheren und legalen Abbrüchen. Das belastet ungewollt Schwangere und führt zu unnötigen Versorgungslücken. Rot-Grün setzt mit diesem Antrag jetzt ein klares Signal und fordert den Senat dazu auf, sich auf Bundesebene energisch für eine Neuregelung einzusetzen. Union und FDP haben jetzt die Chance, Verantwortung zu übernehmen und eine Entscheidung im Bundestag noch in dieser Legislatur nicht weiter zu blockieren. Klar ist: Wir brauchen eine moderne Regelung, die medizinische Versorgung sicherstellt, die Ausbildung von Ärzt*innen verbessert und Betroffene in den Mittelpunkt stellt. Es geht darum, gerechte und zeitgemäße Rahmenbedingungen für alle zu schaffen und für reproduktive Gerechtigkeit zu sorgen.“
Dazu Gabi Dobusch, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Paragraf 218 ist ein Fossil aus prähistorischer Zeit. Die restriktiven Regelungen erschweren eine angemessene medizinische Versorgung ungewollt Schwangerer und führen zu einem Mangel an Informationen für Betroffene. Das ist nicht hinnehmbar und wurde auch im Gleichstellungsausschuss deutlich. Wir fordern den Senat daher auf, sich auf Bundesebene für die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Einführung einer Fristenregelung außerhalb des Strafgesetzbuches einzusetzen. Auch in Hamburg sind noch Verbesserungen möglich, wenn es um den Zugang zu Informationen und zu Anlaufstellen für Schwangerschaftsabbrüche geht. Schwangere sollen das Recht haben, selbst über ihren Körper zu entscheiden. Mit unserem Antrag senden wir jetzt ein klares Signal für eine moderne Gesetzgebung und für reproduktive Gerechtigkeit. Das braucht es gerade jetzt, weil Männer wie Friedrich Merz den Status Quo verteidigen, obwohl eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für Selbstbestimmung ist.“


Neuste Artikel
Öffentliche Unternehmen
Stadtwirtschaft effizienter organisieren – Rot-Grün weitet Shared-Service-Prinzip aus
Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen die Hamburger Stadtwirtschaft effizienter organisieren und Doppelstrukturen reduzieren. Dafür sollen Leistungen wie Einkauf und Vergabe, Personalservices, IT-Services, Rechnungswesen sowie Facility- und Fuhrparkservices künftig stärker nach dem Shared-Service-Prinzip gebündelt, standardisiert und digitalisiert werden. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Stadtwirtschaft insgesamt zu stärken und Kosten zu verringern. Über den…
Wissenschaft
Universität Hamburg bleibt Exzellenzuniversität – Storm „Kluge Wissenschaftspolitik macht sich bezahlt!“
Die Entscheidung ist gefallen: Die Universität Hamburg konnte ihren Titel als Exzellenzuniversität verteidigen und erhält im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder für weitere sieben Jahre Fördergelder. Dies ist das Ergebnis einer intensiven Evaluation, mit der die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat bestätigen, dass die Universität Hamburg ihre Ziele aus der ersten Förderphase…
Fraktionsvorstand
Finanzkonzept für Olympia-Bewerbung – Imhof: „Hamburg ist gut aufgestellt für erfolgreiche olympische und paralympische Spiele“
Am 31. Mai entscheiden die Menschen in Hamburg über eine Olympia-Bewerbung. Das heute vom Senat vorgestellte Finanzkonzept ist eine solide Grundlage für wirtschaftlich tragfähige Spiele, die allen Menschen in Hamburg langfristig zugutekommen. Die Berechnungen zeigen, dass Olympia erhebliche Zukunftsinvestitionen und Fördersummen in die Hansestadt bringt und einen nachhaltigen Entwicklungsschub für die gesamte Stadt bedeutet. Dazu…
Ähnliche Artikel
Frauen
Aktuelle Stunde – Engels: „Paragraf 218 gehört abgeschafft – und zwar jetzt!“
In der heutigen Aktuellen Stunde debattiert die Hamburgische Bürgerschaft über die Abschaffung des Paragrafen 218 des Strafgesetzbuches. Dieser kriminalisiert Schwangerschaftsabbrüche und sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Die Debatte kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Frauenrechte weltweit unter Druck stehen und alarmierende Zahlen in Deutschland eine wachsende Gewalt gegen…
Frauen
Neue Kampagne „Echte Männer holen sich Hilfe“ – Engels: „Ein starkes Zeichen im Kampf gegen häusliche Gewalt“
Die heute vom Senat vorgestellte Kampagne „600 Minuten Nachspielzeit – Echte Männer holen sich Hilfe!“ nimmt das Problem der häuslichen Gewalt in den Fokus. Anders als vorherige Kampagnen, die sich vorrangig an Opfer von Gewalt richteten, spricht sie potenzielle oder bereits gewordene Täter an. Ziel ist es, dass diese ihr eigenes Verhalten reflektieren und Hilfs-…
Frauen
Zufluchtsorte für von Gewalt betroffene Frauen – Rot-Grün ermöglicht umfassende Sanierung von Hamburgs Frauenhäusern
Die Hamburger Frauenhäuser bieten von Gewalt betroffenen Frauen Schutz, Unterkunft und Beratung. Damit diese wichtige Funktion in Hamburgs sozialer Infrastruktur dauerhaft erhalten und ausgebaut werden kann, müssen umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen stellen für diese Sanierungsarbeiten insgesamt knapp 1,4 Millionen Euro aus dem Sanierungsfonds Hamburg 2030 zur Verfügung. Über den…