Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) der Hamburgischen Bürgerschaft zu Cum-Ex-Geschäften hat im März eine umfangreiche Zeugenliste beschlossen. Der vorliegende Zeitplan beabsichtigt, den zentralen Untersuchungsgegenstand – ein Treffen am 17. November 2016 zwischen dem Finanzamt und der Finanzbehörde – bis zum Herbst 2021 aufzuklären. Dabei werden auch Zeugen aus der Verwaltung sowie Mitarbeiter der Warburg Bank gehört. Darüber hinaus stellt der Zeitplan sicher, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz dem PUA in Hamburg zweimal für eine Aussage zur Verfügung steht – noch vor dem Herbst sowie nach Durchführung der Zeugenvernehmungen.
Dazu Farid Müller, Obmann der Grünen Bürgerschaftsfraktion im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss: „Die Aufklärung einer möglichen politischen Einflussnahme zugunsten von Warburg wird mit aller Sorgfalt im PUA vorangetrieben. Die terminierte Reihenfolge der Zeugen orientiert sich am Sachverhalt und nicht am Termin der Bundestagswahl. Der Vorwurf, wir würden Olaf Scholz schonen wollen, trifft nicht zu. Im Gegenteil, er kommt am 30. April zum ersten Mal und wird sich, nachdem die Warburg Bank ihre Version vorgestellt hat, im unmittelbaren zeitlichen Umfeld unseren Fragen stellen. Es war auch der Vorschlag von Linke und CDU zuerst die relevanten Zeugen des Herbstes 2016 zu verhören. Hier gibt es keinen Dissens. Nun fällt der Opposition plötzlich auf, dass dieser sinnvolle Weg nicht in ihren Wahlkampfplan zur Bundestagswahl passt. Es handelt sich um ein durchsichtiges und, wie ich finde, ärgerliches Manöver.“
Dazu Milan Pein, haushaltspolitischer Sprecher und Obmann der SPD-Bürgerschaftsfraktion im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss: „Bereits die von der Opposition festgelegte Bezeichnung des PUA – ‚Cum-Ex Steuergeldaffäre‘ – enthält den Vorwurf, die Verjährung von Ansprüchen gegen die Warburg Bank im Jahr 2016 sei aufgrund von politischer Beeinflussung erfolgt. Dem Treffen der Behörden am 17. November 2016 kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu. Wir werden uns daher diesen Aspekt als erstes vornehmen. Das Gesetz schreibt vor, dass wir den Betroffenen, Christian Olearius und Max Warburg, zuvor Gelegenheit zur Stellungnahme geben müssen. Ich würde mir wünschen, dass die Betroffenen bereits jetzt für Fragen des Ausschusses zur Verfügung stehen und nicht nur ihre Bevollmächtigten Ausführungen vortragen lassen. Es ist richtig, den Bundesfinanzminister am Anfang und am Ende der Zeugenbefragungen zu hören, um eine umfassende und frühzeitige Stellungnahme unter den Aussagebedingungen des PUA zu erreichen. Es ist nicht zu begründen, Olaf Scholz nur einmal und dann mitten in den laufenden Zeugenbefragungen zu laden. Insofern lässt sich die Kritik der Linken nur als weiterer Theaterdonner verstehen. Erst fordert die Opposition, dass man die Zeugen ‚von unten nach oben‘ befragen soll, dann legt sie einen Zeitplan vor, in dem der Bundesfinanzminister mitten in die Zeugenreihenfolge eingefügt wurde – zufälligerweise zur Zeit des Bundestagswahlkampfes. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Statt künstlicher Empörung und wahltaktischer Überlegungen sollte endlich die Aufklärung des Sachverhalts und die Zusammenarbeit der Fraktionen in den Fokus rücken. Mit der geplanten Anhörung der Sachverständigen, die auch auf Antrag der Opposition erfolgt, ist ein erstes gemeinsames Vorgehen bereits gelungen. Die Anhörung ist von besonderer Bedeutung, damit der Ausschuss sich einen Überblick über die komplexen rechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen im Zusammenhang mit dem Untersuchungsauftrag verschaffen kann.“


Neuste Artikel
Hackerangriff auf Mailserver der GRÜNEN Hamburg / Mitgliedsdatenbank und andere IT-Systeme nicht betroffen
Durch eine Routineüberprüfung ist uns seit gestern (Donnerstag, 1. Oktober) bekannt, dass der Mailserver der Hamburger GRÜNEN gehackt wurde und wir Opfer eines automatisierten Angriffs geworden sind. Aktuell gibt es keinerlei Erkenntnisse darüber, dass Daten abgeflossen sind. Andere Systeme wie Dateiserver, Mitgliedsdatenbank etc. sind von dem Angriff ausdrücklich nicht betroffen. Der Vorfall wurde heute dem Hamburger Landesbeauftragten…
Innenpolitik
Polizeipräsident Falk Schnabel wechselt nach Nordrhein-Westfalen – Imhof: „Ein großer Verlust für unsere Stadt“
Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel hat angekündigt, sein Amt niederzulegen und aus persönlichen Gründen nach Nordrhein-Westfalen zurückzukehren. In seiner dreijährigen Amtszeit hat Schnabel wichtige Impulse für die Sicherheit in der Hansestadt geleistet und dabei stets unterschiedliche Perspektiven aus der Stadtbevölkerung eingebunden. Hamburg verliert mit ihm einen erfolgreichen Polizeipräsidenten, der es verstand, die öffentliche Sicherheit und den…
Fraktionsvorstand Innenpolitik
Aktuelle Stunde nach „Red Storm Charlie“ – Imhof: „Im Krisenfall sind wir alle gefragt, um unsere Stadt zu schützen“
In der heutigen Aktuellen Stunde debattiert die Hamburgische Bürgerschaft darüber, wie die Hansestadt im Krisenfall noch besser geschützt werden kann. In Zeiten verschiedener Krisen ist es unabdingbar, den Staat so zu stärken, dass er jederzeit handlungsfähig ist. Genauso wichtig ist es, dass die Menschen wissen, was sie im Notfall selbst tun können, um Hilfe zu…
Ähnliche Artikel
Fraktionsvorstand
Aktuelle Stunde nach „Red Storm Charlie“ – Imhof: „Im Krisenfall sind wir alle gefragt, um unsere Stadt zu schützen“
In der heutigen Aktuellen Stunde debattiert die Hamburgische Bürgerschaft darüber, wie die Hansestadt im Krisenfall noch besser geschützt werden kann. In Zeiten verschiedener Krisen ist es unabdingbar, den Staat so zu stärken, dass er jederzeit handlungsfähig ist. Genauso wichtig ist es, dass die Menschen wissen, was sie im Notfall selbst tun können, um Hilfe zu…
Fraktionsvorstand
Kritik an Bundesregierung – Gwosdz: „Wer einen teuren Tankrabatt einführt, darf beim Wohngeld nicht kürzen“
Mit dem Tankrabatt, der heute beschlossen werden soll, setzt die Bundesregierung erneut auf ein sehr teures Instrument anstatt zielgerichtet genau die Menschen zu entlasten, die am stärksten unter hohen Preisen leiden. Zugleich treffen die vom Bund geplanten Wohngeldkürzungen Haushalte mit geringem Einkommen hart, insbesondere in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Vor diesem Hintergrund fordert die Hamburger…
Fraktionsvorstand
Bundeswehr-Übung „Red Storm Charlie“ – Imhof: „Vertrauen und Sicherheit entstehen durch gute Vorbereitung“
Die heutige Landespressekonferenz steht im Zeichen der Vorbereitung auf den Krisenfall: Am Donnerstag startet in der Hansestadt die dreitägige Übung „Red Storm Charlie“ unter Leitung des Landeskommandos Hamburg. Sie knüpft an die Übungen „Red Storm Alpha“ (2024) und „Red Storm Bravo“ (2025) an. Rund 500 Soldat*innen trainieren gemeinsam mit etwa 60 zivilen Organisationen die Zusammenarbeit…