Mit einem gemeinsamen Antrag wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen in der kommenden Bürgerschaftssitzung am 30. März eine bessere Versorgung mit haus- und kinderärztlichen Praxen in Hamburgs Stadtteilen voranbringen (siehe Anlage). Die haus- und kinderärztliche Versorgung liegt im Aufgabenbereich der Kassenärztlichen Vereinigung, doch bereits in den vergangenen Jahren hat sich Hamburg für eine stärkere Berücksichtigung von sozial benachteiligten Gebieten in der medizinischen Versorgung eingesetzt und eine stärkere Beteiligung der Landesbehörden initiiert. Nach dem Vorbild des Landes Berlin soll der Hamburger Senat nun in Absprache mit Kassenärztlicher Vereinigung und den Landesverbänden der Kranken- und Ersatzkassen prüfen, ob bezogen auf die haus- und kinderärztliche Versorgung auch in Hamburg die Option einer Öffnungsklausel des SGB V genutzt werden kann, nach der bei der Arztsitzplanung kleinere Planungseinheiten zugrunde gelegt werden können. Auf diese Weise ließe sich die Praxendichte in den Hamburger Stadtteilen weiter erhöhen.
Dazu Gudrun Schittek, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Wer beispielsweise mit einer Gehhilfe unterwegs ist oder mit einem kranken Kind in die Praxis muss, kann keine langen Wege auf sich nehmen. Daher ist es wichtig, eine wohnortnahe ambulante Versorgung durch Haus- und Kinderärzt*innen sicherzustellen. In Hamburg sind die Praxen aber leider bislang sehr ungleich über das Stadtgebiet verteilt. Menschen, die über ein geringes Einkommen verfügen, finden häufig in ihrem Wohnumfeld kein ärztliches Angebot oder die wenigen erreichbaren Praxen sind überfüllt. Wenn das Stadtgebiet kleinräumig betrachtet wird, werden die Lücken in der Versorgung sichtbar. Daher wollen wir erreichen, dass die Bedarfe einzelner Stadtteile erfasst werden. Ziel ist es, Praxisstandorte in den schlechter versorgten Stadtteilen zu sichern und die Ansiedlung neuer Praxen in diesen Gebieten zu unterstützen. Dieses Ziel erreichen wir nur Hand in Hand mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen. Deshalb ist es uns wichtig, dass der Senat das Gespräch sucht, um Wege und Möglichkeiten für eine kleinräumige Bedarfsplanung auszuloten.“
Dazu Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Gerade in Pandemiezeiten hat sich gezeigt, dass eine umfassende hausärztliche Versorgung sowie ausreichend Kinderärztinnen und -ärzte unverzichtbar sind. Vor allem in sozial benachteiligten Stadtteilen weisen Hamburgerinnen und Hamburger aber immer wieder darauf hin, dass sie keine haus- oder kinderärztliche Versorgung in der Nähe finden können. Mit diesem Umstand dürfen und werden wir uns nicht abfinden. Auch der Hinweis auf eine statistische Überversorgung in ganz Hamburg ist fehl am Platz, wenn die Lebensrealität in den einzelnen Stadtteilen ganz anders wahrgenommen wird. Mit dem vorliegenden Antrag wollen wir daher die Debatte über eine möglichst ausgeglichene, stabile und wohnortnahe haus- und kinderärztliche Versorgung wieder anstoßen und vor diesem Hintergrund die Berliner Lösung hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf Hamburg prüfen lassen. Alle Menschen in Hamburg müssen einen Zugang zu erstklassiger medizinischer Versorgung behalten.“


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