Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen die Versorgung psychisch kranker Menschen in Hamburg weiter verbessern. Dazu soll der Senat unter Einbeziehung der wichtigsten Akteure einen Psychiatrieplan entwickeln, mit dem die psychiatrische Versorgung in Hamburg auf ein neues Niveau gehoben werden soll. Über einen entsprechenden rot-grünen Antrag stimmt die Hamburgische Bürgerschaft in ihrer heutigen Sitzung ab.
Dazu Peter Zamory, suchtpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion Hamburg: „In einer Zeit, in der immer mehr Menschen von Depressionen, Ängsten und Burn-Out betroffen sind, muss stets adäquate Hilfe vorhanden sein. Für unsere rot-grüne Koalition ist die Versorgungssituation von psychisch erkrankten Menschen in Hamburg deshalb ein zentrales Thema für diese Legislaturperiode. Hierbei legen wir auch einen Schwerpunkt darauf, für gute Diagnostik und ausreichend Therapiemöglichkeiten zu sorgen. Eine stetige und zeitgemäße Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen ist zentral und soll nun durch unseren Antrag vorangetrieben werden. Dieser enthält verschiedene Maßnahmen im Rahmen der Entwicklung eines Psychiatrieplans und sieht unter anderem vor, dass Nicht-Muttersprachler*innen durch Sprachmittlung bei psychotherapeutischen Angeboten geholfen wird. So kann sichergestellt werden, dass allen Betroffenen auch in komplexen Problemlagen, wie zum Beispiel bei der Behandlung schwerer Traumata, geholfen wird.“
Dazu Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Wir wollen, dass die guten und innovativen Ansätze, die es in Hamburg bei der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt, weiterentwickelt und zu einem Psychiatrieplan für Hamburg gebündelt werden. Strukturen und Leistungen der Psychiatrie sollen konsequent an den Bedürfnissen der betroffenen Personen, ihrer Angehörigen und Nächsten ausgerichtet werden. Psychische Erkrankungen mit teilweise schweren Verläufen – wie Schizophrenie, Psychosen oder bipolare Störungen – sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen oft extrem belastend. Zudem sind psychische Erkrankungen häufig begleitet von schwierigen sozialen Lebenslagen, wie etwa Obdachlosigkeit oder prekärer Lebenslagen infolge von Suchterkrankungen. Wir wollen insbesondere schwer erkrankte Menschen, die aktuell nicht immer optimal versorgt werden können, besser unterstützen. Durch gemeindepsychiatrische Ansätze und niedrigschwellige ambulante Interventionen sollen mit ihnen und ihrem sozialen Umfeld künftig individuelle Hilfepläne entwickelt werden, um Krankenhausaufenthalte zu reduzieren, die Zufriedenheit mit der Versorgung zu steigern und die Gesundheit zu verbessern. So sollen Einweisungen in die stationäre Psychiatrie, Chronifizierungen und Retraumatisierungen wenn möglich vermieden werden. Durch eine partizipativ und sozialraum-orientierte Gestaltung der Hilfen soll zudem die Anwendung von Zwang nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Mit der Einrichtung eines Krisentelefons sind wir bereits einen wichtigen Schritt nach vorn gegangen, jetzt kommt mit dem Psychiatrieplan ein weiterer wichtiger Baustein hinzu.“
Hintergrund
In Hamburg gibt es jährlich neben der ambulanten Versorgung zwischen 24.000 und 26.000 Fälle in den allgemeinpsychiatrischen Fachabteilungen der Hamburger Krankenhäuser und circa 6.000 Fälle in den psychosomatischen und allgemeinpsychiatrischen Tageskliniken.


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