Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen ersuchen mit einem gemeinsamen Antrag den Senat, sich auf Bundesebene für eine Anpassung der Hämotherapie-Richtlinie der Bundesärztekammer einzusetzen, um die andauernde Diskriminierung von homo- und bisexuellen Männern beim Blutspenden zu unterbinden. Aufgrund der aktuellen Regelung sind diese nur zur Blutspende zugelassen, wenn sie zuvor zwölf Monate auf Sex mit einem anderen Mann verzichtet haben. Durch diese unverhältnismäßige Vorschrift sind schwule und bisexuelle Männer faktisch von der Blutspende ausgeschlossen. Der rot-grüne Antrag wird am 28. Oktober in der Hamburgischen Bürgerschaft behandelt.
Dazu Farid Müller, queerpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Es wird höchste Zeit, die Diskriminierung von schwulen und bisexuellen Männern bei der Blutspende zu beenden, insbesondere mit Blick auf das inzwischen fünf Jahre alte Urteil des Europäischen Gerichtshofs. In Deutschland müssen homo- und bisexuelle Männer aktuell noch versichern, zwölf Monate enthaltsam gelebt zu haben, was in der Praxis ein Blutspendeverbot darstellt. Sicherheit hat bei der Blutspende natürlich weiterhin Priorität, aber zentral für ihre Beurteilung muss dabei das individuelle Risikoverhalten eines Menschen sein und eben nicht die Frage, welche Geschlechter untereinander Sex haben. Ich fordere daher den Präsidenten der Bundesärztekammer auf, uns noch in diesem Herbst auf Basis aktueller Erkenntnisse einen Vorschlag für eine Neuregelung zu unterbreiten.“
Dazu Simon Kuchinke, Fachsprecher für LSBT*IQ der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Die Blutspende-Richtlinie der Bundesärztekammer stammt aus einer anderen Zeit. Die Aidskrise hierzulande ist überwunden. Stattdessen schlagen Blutbanken regelmäßig Alarm, weil Spenderinnen und Spender fehlen. Da passt es nicht ins Bild, dass unsere Gesellschaft an diskriminierenden Regeln festhält und eine ganze Gruppe faktisch vom Blutspenden ausschließt. Heute kann eine HIV-Infektion bereits nach sechs Wochen nachgewiesen werden. Eine Rückstellung von homo- oder bisexuellen Männern von der Blutspende um zwölf Monate steht deshalb in keinem Verhältnis. Ein Blick ins europäische Ausland etwa nach Spanien oder Italien zeigt, dass eine diskriminierungsfreie Blutspende möglich ist, ohne das bisherige Sicherheitsniveau zu unterschreiten. Deshalb tun wir gut daran, die veralteten Regelungen schleunigst anzupassen und auch die neuen Vorgaben regelmäßig anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu aktualisieren.“


Neuste Artikel
Carearbeit Equal Pay Day Gleichberechtigung
Equal Pay Day und Equal Care Day – Alam: „Hier geht es nicht um individuelle Leistung, sondern um strukturelle Ungleichheit“
Am 27. Februar ist „Equal Pay Day“. Der Aktionstag markiert seit 2008 symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Sie liegt in Hamburg – unbereinigt – bei 17 Prozent und somit noch einen Prozentpunkt höher als im Bundesdurchschnitt. Bereinigt liegt sie bei sieben Prozent (Bund: sechs Prozent). Damit zählt Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa….
Fraktionsvorstand
Bundesregierung plant neues Gebäudeenergiegesetz – Gwosdz: „Kampfansage an die Planungssicherheit“
Die Bundesregierung schafft mit ihren Eckpunkten für ein neues Gebäudeenergiegesetz vor allem große Verunsicherung. Der Entwurf schwächt die Planungssicherheit, sorgt für verdeckte Kosten und torpediert die Wärmewende. Leidtragende sind Menschen, die zur Miete wohnen, ebenso wie Hausbesitzer*innen, Unternehmen und das Handwerk. Dass Dennis Thering sich von diesem energiepolitischen Rollback mehr Klarheit verspricht, offenbart vor allem…
Fraktionsvorstand
Aktuelle Stunde zum russischen Angriffskrieg – Gwosdz: „Wir stehen weiter solidarisch an der Seite der Ukraine“
Gestern hat sich der Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine zum vierten Mal gejährt. Ein Krieg, der unermessliches Leid über die Menschen in der Ukraine gebracht hat. Die Grüne Fraktion steht fest und solidarisch an der Seite der Ukraine und setzt sich weiterhin dafür ein, dass Hamburg sowohl die Menschen, die in der Ukraine…
Ähnliche Artikel
Queer
Großes Interesse am Selbstbestimmungsgesetz – Hector: „Zahlen zeigen, wie dringend das Gesetz erwartet wurde“
Seit dem 1. November 2024 ist das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) in Kraft und hat das veraltete Transsexuellengesetz abgelöst. Mit dem Gesetz wurde ein wichtiger Schritt zur Wahrung der Menschenrechte von trans* Personen getan. Aus einer Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage (SKA) des Grünen Bürgerschaftsabgeordneten Adrian Hector geht hervor, dass in Hamburg seit dem…
Queer
Die Hamburger Grünen beim CSD 2024 – Demokratie verteidigen. Vielfalt leben.
Am Samstag, 3. August, begeht Hamburg den Christopher Street Day (CSD) 2024 mit der alljährlichen großen Demonstration mit Parade unter dem Motto „5 vor 12! Du & ich gegen Rechtsdruck“. Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen Hamburg beteiligt sich mit einem eigenen Wagen, der die Botschaft „Demokratie verteidigen. Vielfalt leben.“ trägt. Neben Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin…
Queer
Vorbereitungen auf Selbstbestimmungsgesetz – Hector: „Ein neues Zeitalter bricht an“
Das im April vom Bundestag verabschiedete „Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag und zur Änderung weiterer Vorschriften” ist ein großer Schritt hin in Richtung Anerkennung für trans*-, inter* und nicht-binären Menschen in Deutschland. Es ersetzt ab dem 1. November das diskriminierende Transsexuellengesetz. Schon ab dem 1. August können Termine beim Standesamt vereinbart…