Soziale Erhaltungsverordnungen sind ein zentrales Instrument, um bezahlbaren Wohnraum in Hamburg zu schützen und Verdrängung in Quartieren entgegenzuwirken. Mit einem gemeinsamen Antrag setzen sich die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen dafür ein, die Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen gegen diese Schutzregelungen zu verschärfen. Ziel ist es, auf Bundesebene deutlich höhere Bußgelder für ungenehmigte Luxussanierungen zu erwirken. Über den rot-grünen Antrag berät die Hamburgische Bürgerschaft am 1. Juli.
Dazu Leon Alam, Sprecher für Bauen, Mieten und Wohnen der Grünen Fraktion Hamburg: „Hamburg hat gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft im Rahmen des Bündnisses für das Wohnen einen verlässlichen Rahmen für die Wohnungspolitik geschaffen. Dazu gehört auch, dass vereinbarte Regeln eingehalten werden. In den Gebieten mit Sozialer Erhaltungsverordnung gelten klare Vorgaben für Sanierungsmaßnahmen und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Damit schützen wir in 16 Gebieten rund 320.000 Hamburger*innen davor, ihre vertraute Wohnumgebung durch Verdrängung zu verlieren. Wer durch nicht genehmigte Maßnahmen, sogenannte Luxussanierungen, bezahlbaren Wohnraum gefährdet oder Menschen aus ihren Wohnungen drängt, muss wissen, dass das nicht akzeptiert wird und Konsequenzen nach sich zieht. Die bestehenden Sanktionen müssen deshalb überprüft und gegebenenfalls deutlich verschärft werden. Dafür sind auch auf Bundesebene wesentliche Anpassungen beim Bußgeldrahmen notwendig. Hamburg braucht eine Wohnungswirtschaft, die soziale Verantwortung übernimmt und sich an gemeinsame Regeln hält.“
Dazu Martina Koeppen, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Wer bewusst gegen die Regeln des Milieuschutzes verstößt und Wohnungen ohne Genehmigung luxussaniert, darf daraus keinen wirtschaftlichen Vorteil ziehen. Genau das droht, wenn die bestehenden Bußgelder nicht mehr die notwendige abschreckende Wirkung entfalten. Soziale Erhaltungsverordnungen schützen die Zusammensetzung unserer Quartiere und helfen dabei, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Wir haben dieses Instrument in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut: Soziale Erhaltungsverordnungen gelten derzeit in 16 Hamburger Quartieren. Wenn einzelne Eigentümer:innen diese Regeln missachten, schadet das nicht nur den betroffenen Mieter:innen, sondern auch dem sozialen Zusammenhalt in unseren Stadtteilen. Deshalb wollen wir, dass Verstöße wirksamer sanktioniert werden können. Bußgelder müssen so ausgestaltet sein, dass sie abschrecken und nicht als kalkulierbares Geschäftsrisiko betrachtet werden. Dafür braucht es entweder deutlich höhere Bußgelder im Baugesetzbuch oder die Möglichkeit für die Länder, die Bußgeldhöhen selbst festzulegen. Der Bund ist gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.“
Hintergrund:
In Hamburg gelten Soziale Erhaltungsverordnungen derzeit in 16 Gebieten, in denen rund 320.000 Menschen leben. Bauliche Maßnahmen, die zu Verdrängungseffekten führen können, unterliegen dort besonderen Genehmigungspflichten. Verstöße gegen diese Vorgaben können bislang mit bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Dieser Bußgeldrahmen ist angesichts der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt vielfach nicht mehr ausreichend, um eine abschreckende Wirkung zu entfalten.


Neuste Artikel
Fraktionsvorstand
Gutachten zum Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) – Domm: Ein erster Schritt für die anstehende Aufarbeitung
Aufgrund des Aktenvorlageersuchens der Hamburgischen Bürgerschaft aus der Sitzung am 1. Juli erhalten die Abgeordneten künftig Einblick in alle notwendigen Unterlagen zu den Planungen für das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE). Nach Angaben der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft wurde gestern im Rahmen der Aufsichtsratssitzung der Stadtreinigung Hamburg ein Gutachten einer unabhängigen…
Rechtspolitik
Aktuelle Stunde – Zagst: „Wir brauchen ‚Nur Ja heißt Ja‘ im Sexualstrafrecht und bekämpfen Femizide“
In der heutigen Sitzung debattiert die Bürgerschaft auf Anmeldung der Grünen Fraktion eine Reform des Sexualstrafrechts. Die Grüne Fraktion setzt sich klar für das Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ und die konsequente Bekämpfung von Femiziden ein. Ziel ist ein Strafrecht, das Betroffene besser vor sexualisierter und patriarchaler Gewalt schützt und geschlechtsspezifische Motive bei Tötungsdelikten stärker…
Klimaschutz
Klima-Schätzbilanz 2025 – Alam: „Bilanz ist für uns Ansporn – ambitionierter Klimaschutz bleibt eine gemeinsame Aufgabe“
Heute hat der Hamburger Senat die CO₂-Schätzbilanz für das Jahr 2025 veröffentlicht. Diese erstmalige Bilanz zeigt, dass die klimaschädlichen Emissionen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent angestiegen sind. Insgesamt kam Hamburg 2025 auf rund zwölf Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Die jährlichen Schätzbilanzen sind ein Ergebnis des erfolgreichen Zukunftsentscheids im vergangenen Herbst. Sie…
Ähnliche Artikel
Wohnen
Wohnungseigentumsgesetz – Rot-Grün bringt Reform für schnellere Sanierungen auf den Weg
In Hamburg gibt es rund 1.600 Wohnungseigentümergemeinschaften, in denen neben der eigenen Wohnung zugleich gemeinsames Eigentum verwaltet wird. Notwendige Sanierungen und Modernisierungen kommen dort oft nur langsam voran, weil Verfahren komplex und rechtliche Hürden hoch sind. Vor diesem Hintergrund wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) weiterentwickeln, um Verfahren zu beschleunigen und…
Wohnen
Erneuerung des Bündnisses für das Wohnen – Alam: „Ein neuer Hamburg-Standard für Modernisierungen ist eine große Chance“
Das Bündnis für das Wohnen geht in die nächste Runde. Die Grüne Fraktion begrüßt, dass der bewährte Hamburger Weg einer kooperativen Wohnungsbaupolitik fortgeführt wird und das Bündnis in der heutigen Landespressekonferenz bereits neue Impulse vorgestellt hat. Insbesondere der Fokus auf Modernisierung und die angekündigte Weiterentwicklung des Hamburg-Standards für Bestandsgebäude sind wichtig, um Kosten zu senken,…
Wohnen
Azubi-Wohnen stärken – Rot-Grün bringt mehr Wohnheimplätze für Auszubildende auf den Weg
Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich mit einem gemeinsamen Antrag dafür ein, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende in Hamburg deutlich auszubauen. Künftig sollen städtische Flächenpotenziale noch gezielter genutzt und auch private Grundstücke erschlossen werden. Ergänzend sollen auch neue Kooperationsmodelle, etwa im Rahmen des Fachkräftenetzwerks, gefunden und gestärkt werden. Ziel ist es,…