Den Sozialstaat als verlässlichen Partner für die Bürger*innen gerade in krisenhaften Zeiten zu sichern, ist eine Herausforderung, der sich die rot-grüne Regierungskoalition mit dem Doppelhaushalt 2023/24 stellt. Mit dem Haushaltsantrag setzen die Regierungsfraktionen darüber hinaus starke Akzente beim Schutz von Frauen vor Gewalt, der Schuldnerberatung und beim sozialen Arbeitsmarkt (siehe Anlage). Auch bei der Integration und der Engagementförderung werden wichtige Impulse gesetzt. Die Hamburgische Bürgerschaft stimmt im Rahmen ihrer Haushaltsberatungen vom 13. bis zum 15. Dezember über die Haushaltsanträge und den Gesamthaushalt ab.
Dazu Mareike Engels, sozialpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „Nach der Corona-Pandemie verursacht der russische Angriffskrieg auf die Ukraine viele soziale Erschütterungen, die die Hamburger*innen hart treffen. Wir sind als Großstadt Ankunftsort für tausende Geflüchtete – und unsere sozialen Hilfesysteme sind zugleich durch die historisch hohe Inflation stark gefordert. Mit unserem Haushaltsantrag setzen wir daher nun zusätzliche Akzente, die den sozialen Zusammenhalt in der Stadt weiter stärken und bei der Bewältigung der aktuellen Krisen helfen sollen. Dazu gehört zum Beispiel die Verstärkung des Opferschutzes, die Förderung von Arbeitsmarktprojekten zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur in ärmeren Stadtteilen und die Förderung von Projekten des freiwilligen Engagements sowie der Selbstorganisation.“
Dazu Ksenija Bekeris, sozialpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Hamburg: „Die Herausforderungen mit den Folgen der Corona-Pandemie, den Folgen der Energiekrise und der Solidarität mit Geflüchteten sind enorm. Der Etat für Soziales im Gesamthaushalt weist für 2023 und 2024 eine deutliche Steigerung auf, damit die wachsenden Ausgaben für die Existenzsicherung und gesetzliche Ansprüche auf Hilfe erfüllt werden können. Ich freue mich, dass wir noch einmal mit rund 1,2 Millionen Euro den Gewaltschutz für Frauen stärken können und die Schuldnerberatungsstellen mit zusätzlichen 200.000 Euro ausbauen. Der Ausbau des Sozialen Arbeitsmarkts und weitere Anstrengungen zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung insbesondere von Frauen mit Migrationshintergrund sind weitere wichtige Anliegen, die wir seit Jahren verfolgen.“
Ausgewählte Schwerpunkte:
Verstärkung des Opferschutzes und Betrieb des sechsten Hamburger Frauenhauses
Wir stellen 622.000 Euro pro Jahr zur ergänzenden Finanzierung der Fachberatungsstellen im Opferschutz, für den Betrieb des sechsten Frauenhauses und eine Förderrichtlinie für die Projekte SToP-Partnergewalt in den Stadtteilen bereit.
Aufstockung zusätzlicher §16i Stellen für Hamburgs sozialen Arbeitsmarkt
Wir stärken erneut den sozialen Arbeitsmarkt mit zusätzlich 170.000 Euro pro Jahr. Damit sollen für Langzeitarbeitslose zusätzliche geförderte Arbeitsplätze nach §16i SGB II in Projekten zur gemeinwohlorientierten Quartiersarbeit und zur Verbesserung der sozialen und ökologischen Infrastruktur, vor allem in benachteiligten Stadtteilen, entstehen.
Ausbau der Maßnahmen für die Schuldnerberatung
Die finanzielle Unterstützung der Ausbildung/Qualifizierung in der Schuldnerberatung hilft den Beratungsstellen, neue Beratungskräfte zu gewinnen und versetzt sie in die Lage, personell auf steigende Nachfrage reagieren zu können. Als Teil des Corona-Arbeitsmarktprogramms konnten unter Nutzung der Mittel aus dem HWSP in den Jahren 2021 und 2022 bereits insgesamt zehn Beschäftigte der Hamburger Schuldnerberatungsstellen die erforderliche Qualifizierung absolvieren, so dass nach erfolgreichem Abschluss der sogenannten Zertifikatskurse zehn zusätzliche Beratungsfachkräfte zur Verfügung stehen. Dieser Weg wird durch zusätzliche 100.000 Euro jeweils in 2023 und 2024 weitergeführt.
Förderung der Erwerbsbeteiligung von Migrant*innen
Die Arbeit von Migrantenselbstorganisationen unterstützen wir mit zusätzlich 100.000 Euro im Jahr für die Integrationsarbeit sowie die Förderung der Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund. Mit den bis Mitte 2023 zur Verfügung stehenden Mitteln aus dem Programm REACT-EU wurde im Rahmen des Corona-Arbeitsmarktprogramms das ESF-Vorhaben Jobcoach vorübergehend aufgestockt. Das Vorhaben richtet sich an gering qualifizierte Erziehende im Leistungsbezug und erreicht weit überwiegend alleinerziehende Frauen mit Migrationshintergrund. Infolge der Corona-Pandemie war gerade diese Personengruppe besonders stark von Jobverlusten betroffen. Die Förderung der Erwerbstätigkeit sichert Einkommen, Unabhängigkeit und die Möglichkeit zur Überwindung von Armutsgefährdung.


Neuste Artikel
Fraktionsvorstand
Vorschläge der CDU – Gwosdz: „Wir brauchen beim Kampf gegen Antisemitismus eine wirksame, überparteiliche Linie statt politischer Profilierung“
Der Kampf gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die demokratischen Fraktionen haben sich aus gutem Grund dazu entschieden, das überparteiliche Amt der Hamburger Antisemitismusbeauftragten zu schaffen, deren zentrale Aufgabe die Weiterentwicklung der Landessstrategie ist. Die Grüne Fraktion warnt daher mit Blick auf die heute vorgestellten Impulse der Hamburger CDU…
Fraktionsvorstand Strategien gegen Rechts
Bund-Länder-Arbeitsgruppe zeitnah einsetzen – SPD, Grüne und Linke wollen Voraussetzungen für AfD-Verbotsverfahren prüfen
Wer über ein mögliches Verfahren gegen die AfD entscheidet, braucht eine belastbare Tatsachengrundlage und eine fundierte juristische Bewertung. Deshalb setzen sich die Fraktionen von SPD, Grünen und Linken dafür ein, zeitnah eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzusetzen und die Voraussetzungen für ein mögliches Verfahren gegen die „Alternative für Deutschland“ zu prüfen. Die Arbeitsgruppe soll unter Federführung des Bundes…
Strategien gegen Rechts
Aktuelle Stunde – Imhof: „Wir müssen jeden Tag Vertrauen schaffen“
In der heutigen Aktuellen Stunde debattiert die Hamburgische Bürgerschaft über die Folgen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und die Herausforderungen, die Populismus und Extremismus für die Demokratie darstellen. Viele Menschen sind in Krisenzeiten verunsichert und haben Angst vor der Zukunft. Die wichtigste Antwort auf diese Verunsicherung ist es, Vertrauen zu schaffen – zwischen den Menschen und…
Ähnliche Artikel
Soziales
Erhöhung der Erstausstattungspauschalen – Rot-Grün bringt Prüfung auf den Weg
Die Erstausstattungspauschalen für die Einrichtung einer Wohnung sowie bei Schwangerschaft und Geburt wurden zuletzt im Jahr 2015 überprüft. Seitdem sind die Lebenshaltungskosten erheblich gestiegen. Die rot-grünen Regierungsfraktionen wollen die Pauschalen deshalb auf den Prüfstand stellen. Ziel ist es, die Bemessung an die Preisentwicklung der vergangenen Jahre anzupassen und die Unterstützung für Menschen in schwierigen sozialen…
Soziales
Übergangsplätze in der Repsoldstraße – Warnecke: „Hamburg schafft nachhaltige Hilfe für Menschen, statt ihre Not zu verdrängen“
Ab Mitte September stehen dreißig betreute Übergangsplätze in der Repsoldstraße 27 bereit. Damit werden Menschen, die von Sucht und Wohnungslosigkeit betroffen sind, passgenaue und niedrigschwellige Angebote ermöglicht. Für die Grüne Fraktion ist das ein sozialpolitisches Vorzeigeprojekt, das Menschen direkt vor Ort hilft, durch medizinische und psychiatrische Versorgung sowie individuelle Beratung. Die Ankündigung des Senats, im…
Soziales
Investieren in ein starkes Hamburg von morgen – Zusammenhalt und Teilhabe für alle Menschen in Hamburg
Den Zusammenhalt und die Teilhabe aller Menschen in einer freien und solidarischen Gesellschaft zu ermöglichen, ist Ziel der rot-grünen Regierungskoalition. Dazu gehören insbesondere die Absicherung und Hilfen zur Überwindung von Lebensrisiken. Im Doppelhaushalt 2025/2026 ist für die Sozialbehörde ein Gesamtaufwand in Höhe von fast elf Milliarden Euro vorgesehen. Mit einem gemeinsamen Haushaltsantrag setzen die Regierungsfraktionen…