In Deutschland gilt innerhalb der deutsch-luxemburgischen Stromgebotszone ein einheitlicher Börsenstrompreis, obwohl Stromerzeugung, Verbrauch und Netzkapazitäten regional sehr unterschiedlich sind. Dadurch fehlen Anreize, Strom verstärkt dort zu nutzen, wo viel günstige Windenergie erzeugt wird. Die Hamburger Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen deshalb eine Reform der Stromgebotszone und dabei auch eine mögliche Aufteilung in mehrere dezentrale Stromgebotszonen prüfen lassen. Zudem soll untersucht werden, welche Auswirkungen eine mögliche norddeutsch-dänische Stromzone auf Strompreise, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Verringerung von Netzengpässen haben könnte. Über die rot-grüne Initiative entscheidet die Hamburgische Bürgerschaft in ihrer heutigen Sitzung.
Dazu Melanie Nerlich, energiepolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „Hamburg hat durch seine Nähe zu den Windenergieregionen im Norden gute Voraussetzungen für günstigen erneuerbaren Strom. Diesen Vorteil kann unsere Stadt bislang aufgrund des bundesweit einheitlichen Börsenstrompreises nicht vollumfänglich nutzen. Mehrere dezentrale Strompreiszonen könnten dieses Problem beheben und dazu führen, dass Windräder dort gebaut werden, wo besonders viel Strom verbraucht wird, und dass Batteriespeicher ihren Verbrauch dann hochfahren, wenn vor Ort besonders viel Wind weht – das entlastet die Netze. Außerdem wird der Windstrom dort günstig, wo besonders viele Anlagen stehen, zum Beispiel in Norddeutschland. Das hilft der Hamburger Industrie, stärkt auch die Akzeptanz der Energiewende und senkt die Kosten für das Netzengpassmanagement und damit die Strompreise für alle in Deutschland.“
Dazu Alexander Mohrenberg, Sprecher für Umwelt, Klima und Energie der SPD-Fraktion Hamburg: „Norddeutschland produziert schon heute große Mengen günstigen Windstroms. Für Hamburg als Industrie-, Hafen- und Wasserstoffstandort kann darin ein echter Standortvorteil liegen, wenn dieser Strom auch dort zu attraktiven Preisen genutzt werden kann, wo er erzeugt wird. Regionale Strompreiszonen können dafür bessere Anreize schaffen, zugleich Netzengpässe reduzieren und die Kosten für das Engpassmanagement senken. Deshalb wollen wir ergebnisoffen prüfen, welche Aufteilung volkswirtschaftlich sinnvoll wäre und welche Auswirkungen sie auf Strompreise, Versorgungssicherheit und unsere Wirtschaft hätte. Besonders interessant ist dabei der Vorschlag einer gemeinsamen Stromzone mit Schleswig-Holstein und West-Dänemark. Entscheidend ist für uns: Eine Reform muss das Energiesystem insgesamt effizienter machen und die besonderen Interessen Hamburgs als bedeutenden Industriestandort berücksichtigen.“


Neuste Artikel
Gesundheit
Aktuelle Stunde zu psychischer Gesundheit – Görg: „Wir dürfen die Menschen mit ihrer Erkrankung nicht allein lassen“
Die Zahl der psychisch erkrankten Menschen in Deutschland nimmt seit Jahren zu. In Hamburg zeigt sich insbesondere bei Depressionen ein deutlicher Anstieg, wie eine neue Studie der Barmer-Krankenkasse zeigt. Anlässlich der laufenden Aktionswoche der seelischen Gesundheit macht die Grüne Fraktion in der Bürgerschaft deutlich, wie die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessert werden kann,…
Fraktionsvorstand
Aktuelle Stunde – Gwosdz: „Wir arbeiten gemeinsam an einer guten Lösung für Hamburg“
Die Hamburgische Bürgerschaft debattiert in ihrer heutigen Sitzung über ein mögliches Naturkundemuseum. Die Grüne Fraktion hat bereits Anfang der Woche klargemacht, dass sie sich für die Umsetzung des Staatsvertrags und eine gute Lösung für Hamburg einsetzt. Dass die CDU-Fraktion keine eigenen Inhalte für ihre eigene Debatte anmeldet, sagt viel über den programmatischen Zustand der Hamburger…
Fraktionsvorstand
Feierstunde zum Jubiläum – Imhof: „80 Jahre Bürgerschaft sind ein Auftrag, die Demokratie zu schützen“
Heute feiert die Hamburgische Bürgerschaft ihr 80-jähriges Bestehen. Für die Grüne Fraktion ist dieses Jubiläum Anlass, die erfolgreiche Geschichte des Parlamentarismus in Hamburg zu würdigen. Zugleich geht von den Feierlichkeiten auch der klare Auftrag aus: Die Demokratie und ihre Institutionen sind keine Selbstverständlichkeit und müssen aktiv geschützt werden. Dazu Sina Imhof, Vorsitzende der Grünen Fraktion…
Ähnliche Artikel
Energiepolitik
Erneuerbare Wärme für die Stadt: Rot-Grün bringt Wärmepumpenausbau in städtischen Gebäuden voran
In Hamburg sollen in den kommenden 15 Jahren über 1.500 öffentliche Gebäude erneuerbar beheizt werden. Soweit sie in dezentralen Gebieten der kommunalen Wärmeplanung liegen, sind Wärmepumpen dafür die Schlüsseltechnologie. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich in einem gemeinsamen Antrag für eine koordinierte Planung mit sinnvollen Schwerpunkten ein. Zunächst soll geprüft werden, welche öffentlichen…
Energie
Für mehr Wärmepumpen – Rot-Grün stellt sechs Millionen Euro zusätzlich für Heizungsförderung bereit
Die Nachfrage nach Wärmepumpen in Hamburg ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dieser positive Trend wird durch das Hamburger Heizungsförderungsprogramm besonders unterstützt. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen planen nun eine Aufstockung des Hamburger Fördertopfes um sechs Millionen Euro bis Ende des Jahres. Ab 2027 soll das Förderprogramm zudem an die geänderten Rahmenbedingungen im…
Energie
Hitze- und Klimaschutz zusammendenken: Rot-Grün will Regeln für die Kühlung von Gebäuden überprüfen
Häufigere und längere Hitzewellen machen einen wirksamen Schutz vor Überhitzung in Gebäuden immer wichtiger. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen deshalb ergebnisoffen überprüfen lassen, ob die geltenden Regeln für die Gebäudekühlung noch angemessen sind oder angepasst werden müssen. Hierbei soll insbesondere die Rolle von Klimaanlagen analysiert werden. Über den rot-grünen Antrag entscheidet die Hamburgische…