Die demokratischen Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft wollen anlässlich des 25. Jahrestages des Mordes an Süleyman Taşköprü durch den rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) eine zentrale Gedenkveranstaltung ermöglichen. Ein interfraktioneller Antrag von SPD, CDU, Grünen und Linken sieht vor, das Gedenken in enger Abstimmung mit der Familie Taşköprü zu unterstützen. Für die Planung der Gedenkveranstaltung sollen dem Verein Licht ins Dunkel bis zu 15.000 Euro bereitgestellt werden. Über den interfraktionellen Antrag entscheidet die Hamburgische Bürgerschaft in ihrer Sitzung am 25. März.
Dazu Sina Imhof, Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion Hamburg: „Süleyman Taşköprüs Schicksal darf nicht in Vergessenheit geraten. Mit nur 31 Jahren wurde er vom NSU in seinem Geschäft in Bahrenfeld ermordet. Auch heute macht mich diese Tat noch sehr betroffen. Sein Tod steht exemplarisch für die systematische Gewalt eines rechtsterroristischen Netzwerks, das über Jahre hinweg ungehindert agieren konnte. Wir können die Taten des NSU nicht ungeschehen machen, aber wir müssen alles dafür tun, rechten Terror in Zukunft zu verhindern. Anlässlich des 25. Jahrestags wollen wir deshalb in einer vom Verein „Licht ins Dunkel“ umgesetzten öffentlichen Gedenkveranstaltung an den Mord an Taşköprü und die rechtsextreme Gewalt in Hamburg erinnern. Gleichzeitig setzen wir unsere Arbeit im Beirat der wissenschaftlichen Studie zur Aufarbeitung des NSU-Komplexes fort. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen in Angst vor rechter Gewalt und Ausgrenzung leben, ist es essenziell, die Erinnerung an das Geschehene lebendig zu halten und zu verstehen, was damals passiert ist. Nur so können wir Menschen in Zukunft besser vor rechter Gewalt schützen.“
Dazu Isabella Vértes-Schütter, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Hamburg und Mitglied im Beirat „Wissenschaftliche Aufarbeitung des NSU-Komplexes“: „Der Mord an Süleyman Taşköprü ist ein brutales Verbrechen, das seiner Familie unermessliches Leid zugefügt hat. Am 25. Jahrestag geht es deshalb nicht nur um Erinnerung, sondern vor allem um Respekt und Verantwortung gegenüber den Angehörigen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des NSU-Komplexes in Hamburg ist dabei ein wichtiger Schritt, weil sie hilft, Versäumnisse sichtbar zu machen und das erlittene Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Aber Aufarbeitung allein reicht nicht. Der 25. Jahrestag des Mordes an Süleyman Taşköprü verlangt ein sichtbares Gedenken, das den Wünschen seiner Familie entspricht und ihrer Perspektive den angemessenen Raum gibt. Gerade in Zeiten, in denen rechte Gewalt wieder erstarkt, muss Hamburg erinnern, Verantwortung übernehmen und Haltung zeigen.“
Dazu Dr. Anke Frieling, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion: „Der Mord an Süleyman Taşköprü verpflichtet uns bis heute. Als Bürgerschaft tragen wir Verantwortung dafür, dass Aufarbeitung nicht abstrakt bleibt, sondern den Angehörigen Raum, Respekt und Sichtbarkeit gibt. Mit der gemeinsamen Gedenkveranstaltung setzen wir ein Zeichen gegen Rechtsterrorismus und für eine Erinnerungskultur, die zusammenführt statt trennt.“
Dazu Deniz Celik, innenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Der 25. Jahrestag des Mordes an Süleyman Tasköprü mahnt uns, innezuhalten und an die Opfer rechtsterroristischer Gewalt zu erinnern. Dabei ist es besonders wichtig, ein würdiges Gedenken zu ermöglichen und die Forderungen und Perspektiven der Familie Tasköprü zu respektieren. Viel zu lange wurden ihre Stimmen nicht gehört, wurden sie von anderen Narrativen übertönt. Erinnern heißt aber auch verändern – und das bedeutet, den NSU-Komplex auch in Hamburg schonungslos aufzuklären und aus den Fehlern der Vergangenheit Konsequenzen ziehen. Gerade deshalb bietet dieser Jahrestag die Chance, die Forderung nach Gerechtigkeit für die Angehörigen der Opfer und eine Gesellschaft ohne Hass und rechte Gewalt zu erneuern.“


Neuste Artikel
Landesvorstand
Stellungnahme des geschäftsführenden Landesvorstands der GRÜNEN Hamburg zur aktuellen Berichterstattung über die Bezüge des geschäftsführenden Landesvorstands
„Der aktuell in der Medienberichterstattung erhobene Vorwurf, die GRÜNEN Hamburg hätten das Gehalt der Parteivorsitzenden gegenüber Behörden über viele Jahre nicht ordnungsgemäß angezeigt, ist falsch. Diese versuchte Skandalisierung entbehrt jeglicher Grundlage. Wir haben uns zu jeder Zeit an Recht und Gesetz gehalten. Die Deutsche Rentenversicherung prüft alle vier Jahre und hat 2017 und 2020 bestätigt,…
Rechtspolitik
Städtische Unternehmen – Rot-Grün will digitale Kommunikation mit Gerichten verbindlich festschreiben
Die Kommunikation städtischer Unternehmen mit den Hamburger Gerichten erfolgt häufig noch analog und muss aufwendig digitalisiert werden. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich daher dafür ein, die Kommunikation städtischer Unternehmen mit den Gerichten verbindlich auf digitale Verfahren umzustellen und so die Justiz spürbar zu entlasten. Künftig sollen städtische Unternehmen ausschließlich elektronische und sichere…
Mobilität
Hohe Nachfrage nach günstigem Ticket – Knapp 13.000 neue Jobtickets für städtisch Beschäftigte
Seit Anfang April zahlen die Beschäftigten der Stadt Hamburg nur noch 44,10 Euro für ihr Deutschlandticket, statt wie zuvor 63 Euro. Die Nachfrage ist groß: Innerhalb weniger Wochen haben 12.923 Beschäftigte ein neues Jobticket beantragt, darunter 7.438 Tarifbeschäftigte und 5.485 Beamt*innen, Richter*innen sowie Rechtsreferendar*innen. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage (SKA)…
Ähnliche Artikel
Fraktionsvorstand
Aktuelle Stunde zu Olympia – Imhof: „Olympische und paralympische Spiele sind eine kluge Investition für ganz Hamburg“
Wenige Monate vor dem Referendum debattiert die Hamburgische Bürgerschaft heute auf Anmeldung der Grünen Fraktion über das Potenzial olympischer und paralympischer Spiele für die langfristige Entwicklung der Hansestadt. Für die Grüne Fraktion steht fest, dass Olympia mehr ist als ein mehrwöchiges Sport-Event – zusätzliche Investitionen des Bundes bedeuten einen Entwicklungsschub für Nachhaltigkeit, eine moderne Verkehrsinfrastruktur, den…
Fraktionsvorstand
Bewerbungskonzept Olympia – Imhof: „Für nachhaltige Spiele, die allen Menschen zugutekommen“
Heute hat der Hamburger Senat das finalisierte Bewerbungskonzept für Olympia vorgestellt. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit und kurze Wege: 76 Prozent der Sportstätten bestehen schon oder sind bereits geplant. 85 Prozent der Sportstätten liegen in einem Radius von nur sieben Kilometern. Vorschläge der Hamburger*innen aus den Bürgerdialogen wurden aktiv in die Planungen eingebunden. Das Konzept ist…
Fraktionsvorstand
Finanzkonzept für Olympia-Bewerbung – Imhof: „Hamburg ist gut aufgestellt für erfolgreiche olympische und paralympische Spiele“
Am 31. Mai entscheiden die Menschen in Hamburg über eine Olympia-Bewerbung. Das heute vom Senat vorgestellte Finanzkonzept ist eine solide Grundlage für wirtschaftlich tragfähige Spiele, die allen Menschen in Hamburg langfristig zugutekommen. Die Berechnungen zeigen, dass Olympia erhebliche Zukunftsinvestitionen und Fördersummen in die Hansestadt bringt und einen nachhaltigen Entwicklungsschub für die gesamte Stadt bedeutet. Dazu…