Erinnerungskultur

80 Jahre nach der Gedenkwoche von 1946 – Bürgerschaftsfraktionen erinnern an ermordete Menschen aus dem Hamburger Widerstand  

Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD, Grünen und Linken erinnern heute gemeinsam an Menschen aus dem Hamburger Widerstand, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hingerichtet wurden. Anlass ist der 80. Jahrestag einer besonderen Hamburger Gedenkwoche: Am 4. September 1946 ließ der Hamburger Senat die Urnen der Ermordeten für drei Tage feierlich im Rathaus aufbahren. Mit einer Gedenkfeier im Festsaal würdigen die drei Fraktionen die Biografien, den Mut und die unterschiedlichen Formen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
 
Dazu Jennifer Jasberg, erinnerungspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „Wir erinnern auf der heutigen Gedenkfeier an Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise dem Nationalsozialismus entgegengestellt haben. Sie verband ihre Entscheidung, nicht mitmachen zu wollen – und sie bezahlten dafür mit ihrem Leben. Heute ist die Frage, wie eine Gesellschaft an den Punkt kommt, an dem Unrecht zum Alltag wird, wieder hochaktuell. Noch Anfang 1933 ging der Alltag auch in der Hamburgischen Politik erstmal wie gewohnt weiter. So wurde in der Bürgerschaft weiter über Schulspeisung und Erbpachtzinsen diskutiert, während die Demokratie schrittweise beseitigt wurde. Wenn heute wieder Hass und Angst unseren Alltag durchdringen, müssen wir genau hinsehen: woran wir uns gewöhnen, was wir hinnehmen und an welchem Punkt wir aufstehen und widersprechen.“
 
Dazu Isabella Vértes-Schütter, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Die Menschen, an die wir heute erinnern, haben auf ganz unterschiedliche Weise Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrecht geleistet. Sie haben dafür mit ihrem Leben bezahlt. 80 Jahre nach ihrer Aufbahrung im Hamburger Rathaus würdigen wir ihren Mut und halten ihre Geschichten lebendig. Erinnerung bedeutet für uns aber immer auch Verantwortung für die Gegenwart. Demokratie, Freiheit und Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen geschützt und verteidigt werden, gerade dort, wo Menschen ausgegrenzt, entrechtet oder bedroht werden. Das Vermächtnis der Ermordeten mahnt uns, nicht gleichgültig zu bleiben, wenn unsere demokratischen Werte angegriffen werden.“
 
Dazu Marco Hosemann, erinnerungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Heute erinnern wir an die Menschen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihr Leben ließen. Für uns gehört der deutsche antifaschistische Widerstand zum Wertvollsten in der Geschichte dieses Landes. Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an die Überlebenden, die wir noch kennenlernen durften und wir gedenken derer, die ihr Leben geopfert haben mit der Traurigkeit, die ihre Familien und Freund*innen ihr Leben lang begleitet hat. Ihr Vermächtnis ‚Nie wieder!‘ ist heute so aktuell wie nie zuvor seit dem 8. Mai 1945. Deshalb ist diese Veranstaltung für uns auch eine Mahnung, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die AfD endlich verboten wird.“
 
Hintergrund:
Am 4. September 1946 ließ der Hamburger Senat die Urnen von 26 hingerichteten Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand für drei Tage feierlich im Rathaus aufbahren. Vier Tage später nahmen rund 15.000 Menschen auf dem Ohlsdorfer Friedhof an ihrer Beisetzung teil. Ihre Ruhestätte erhielt später den Namen „Ehrenhain“. Die heutige Gedenkfeier im Festsaal des Hamburger Rathauses erinnert 80 Jahre später an die Ermordeten und ihre unterschiedlichen Formen des Widerstands. Das Grußwort hält Kultursenator Carsten Brosda. Cornelia Kerth von der VVN-BdA und Wolfgang Kopitzsch vom Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten wirken mit jeweils eigenen Beiträgen an der Gedenkfeier mit. Einen historischen Blick auf die Hamburger Gedenkwoche von 1946 gibt Alyn Šišić von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen. Die Ehrung der Ermordeten übernehmen Mitglieder von Jugendorganisationen. Die Gedenkfeier wird durch musikalische Beiträge begleitet.
 

Neuste Artikel

Haushalt Haushalt und Finanzen

Zum Doppelhaushalt 2027/2028 – Döscher: „Für eine moderne Infrastruktur und einen starken Sozialstaat“

Energiepolitik

Chance für günstige Energie: Regionale Strompreiszonen als Standortvorteil für Hamburg

Energie Energiepolitik

Hitze- und Klimaschutz zusammendenken: Rot-Grün will Regeln für die Kühlung von Gebäuden überprüfen

Ähnliche Artikel