Angesichts des demografischen Wandels wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen die Altersmedizin in Hamburg gezielt weiterentwickeln. Dazu soll die Versorgung künftig zweistufig ausgerichtet werden: Neben der in Hamburg bereits gut ausgebauten Krankenhausbehandlung mit Frührehabilitation soll eine weiterführende stationäre oder teilstationäre Rehabilitation aufgebaut werden. Die dafür notwendigen geriatrischen Rehabilitationsplätze sollen in den kommenden Jahren entstehen. Über den rot-grünen Antrag entscheidet die Hamburgische Bürgerschaft am 25. März.
Dazu Linus Görg, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion Hamburg: „Die Anzahl an Menschen über 60 wird auch in Hamburg weiter steigen, was uns vor zusätzliche Aufgaben stellt. Unser Ziel ist immer, dass die Menschen in unserer Stadt auch im hohen Alter gesund sind und selbstständig leben. Dafür müssen wir bei der Rehabilitation älterer Menschen noch besser werden. Während Hamburg bereits über eine gute geriatrische Frührehabilitation verfügt, geht es jetzt darum, zusätzliche Angebote für die weiterführende Rehabilitation zu schaffen, sowohl stationär als auch teilstationär. Gemeinsam mit unseren Partner*innen im Gesundheitsbereich wollen wir im ersten Schritt sinnvolle Konzepte zur Finanzierung und Umsetzung entwickeln. Bereits bestehende, gut funktionierende Institutionen wie die geriatrischen Institutsambulanzen werden dabei aktiv eingebunden. Die Selbstständigkeit älterer Menschen muss gestärkt und so lange wie möglich erhalten bleiben – ganz nach dem Leitgedanken ‚Reha vor Pflege‘.“
Dazu Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Hamburg ist in der Krankenhausgeriatrie sehr gut aufgestellt, aber eine stationäre geriatrische Rehabilitation fehlt bislang. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel hat der Grundsatz ‚Reha vor Pflege‘ eine enorme Bedeutung. Geriatrische Reha erhält die Selbstständigkeit der Patient:innen und vermeidet in vielen Fällen die Pflegebedürftigkeit, bevor sie entsteht. Wir wollen daher den konkreten Bedarf an stationären und teilstationären Rehabilitationsplätzen ermitteln und gemeinsam mit Krankenkassen, Ärzteschaft und weiteren Partner:innen tragfähige Finanzierungs- und Umsetzungskonzepte entwickeln. Ziel ist eine zweistufige, wohnortnahe Versorgung, die den individuellen Rehabilitationsbedürfnissen älterer Menschen gerecht wird. Mit dem Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz hat der Bund den Zugang zur geriatrischen Rehabilitation erleichtert. Jetzt müssen wir sicherstellen, dass diese Ansprüche auch in Hamburg eingelöst werden können.“
Dazu Dr. Frank Hofschulte, Altersmediziner und Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie der Medizinischen Dienste: „Geriatrische Patient:innen sind besonders fragil. Selbst gut behandelbare medizinische Probleme können bei ihnen eine zuvor stabile Lebensführung rasch destabilisieren und Selbstversorgung sowie soziale Teilhabe gefährden. Eine stationäre geriatrische Reha mit multiprofessionellen Teams kann maßgeblich darüber entscheiden, ob ein Mensch beispielsweise nach einem belastenden stationären Aufenthalt wieder in einen selbstständigen Alltag zurückfindet oder dauerhaft auf Pflege angewiesen ist. In der Begutachtungspraxis der Medizinischen Dienste sehen wir immer wieder, dass Menschen mit klarem Rehabilitationspotenzial in die ambulante oder stationäre Pflege entlassen werden müssen, weil weiterführende Reha-Angebote im stationären Bereich fehlen. Das ist für mich als Arzt nur schwer zu akzeptieren, denn stationäre Reha-Angebote sind in der Geriatrie medizinisch sinnvoll, wirtschaftlich vernünftig und zukunftsfähig. Sofern kein akuter Anlass für eine Krankenhausbehandlung besteht, ist die stationäre Behandlung in einer geriatrischen Rehabilitationseinrichtung auch unter präventiven Gesichtspunkten eine besonders geeignete Versorgungsoption. Prävention ist entscheidend, um Selbstständigkeit zu erhalten, Widerstandsfähigkeit zu stärken und funktionelle Verschlechterungen zu vermeiden. Die Hamburger Initiative schließt eine echte Versorgungslücke und komplettiert die bereits breit aufgestellte Krankenhausgeriatrie in der Hansestadt. Insofern hoffe ich sehr, dass weitere Bundesländer dem Beispiel Hamburgs folgen.“
Den Antrag zur Pressemitteilung finden Sie hier.


Neuste Artikel
Gesundheit
Aktuelle Stunde zu psychischer Gesundheit – Görg: „Wir dürfen die Menschen mit ihrer Erkrankung nicht allein lassen“
Die Zahl der psychisch erkrankten Menschen in Deutschland nimmt seit Jahren zu. In Hamburg zeigt sich insbesondere bei Depressionen ein deutlicher Anstieg, wie eine neue Studie der Barmer-Krankenkasse zeigt. Anlässlich der laufenden Aktionswoche der seelischen Gesundheit macht die Grüne Fraktion in der Bürgerschaft deutlich, wie die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessert werden kann,…
Fraktionsvorstand
Aktuelle Stunde – Gwosdz: „Wir arbeiten gemeinsam an einer guten Lösung für Hamburg“
Die Hamburgische Bürgerschaft debattiert in ihrer heutigen Sitzung über ein mögliches Naturkundemuseum. Die Grüne Fraktion hat bereits Anfang der Woche klargemacht, dass sie sich für die Umsetzung des Staatsvertrags und eine gute Lösung für Hamburg einsetzt. Dass die CDU-Fraktion keine eigenen Inhalte für ihre eigene Debatte anmeldet, sagt viel über den programmatischen Zustand der Hamburger…
Fraktionsvorstand
Feierstunde zum Jubiläum – Imhof: „80 Jahre Bürgerschaft sind ein Auftrag, die Demokratie zu schützen“
Heute feiert die Hamburgische Bürgerschaft ihr 80-jähriges Bestehen. Für die Grüne Fraktion ist dieses Jubiläum Anlass, die erfolgreiche Geschichte des Parlamentarismus in Hamburg zu würdigen. Zugleich geht von den Feierlichkeiten auch der klare Auftrag aus: Die Demokratie und ihre Institutionen sind keine Selbstverständlichkeit und müssen aktiv geschützt werden. Dazu Sina Imhof, Vorsitzende der Grünen Fraktion…
Ähnliche Artikel
Gesundheit
Aktuelle Stunde zu psychischer Gesundheit – Görg: „Wir dürfen die Menschen mit ihrer Erkrankung nicht allein lassen“
Die Zahl der psychisch erkrankten Menschen in Deutschland nimmt seit Jahren zu. In Hamburg zeigt sich insbesondere bei Depressionen ein deutlicher Anstieg, wie eine neue Studie der Barmer-Krankenkasse zeigt. Anlässlich der laufenden Aktionswoche der seelischen Gesundheit macht die Grüne Fraktion in der Bürgerschaft deutlich, wie die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessert werden kann,…
Gesundheit
Bericht zu Lokalen Gesundheitszentren – Görg: „Langfristige Förderung stärkt die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt“
Lokale Gesundheitszentren (LGZ) sind für die Gesundheitsversorgung in Hamburg von hoher Bedeutung – das zeigt eine heute vom Hamburger Senat veröffentlichte Evaluation. Besonders positiv bewertet werden die niedrigschwellige Beratung, die Lotsenfunktion und die Verknüpfung von Gesundheits- und Sozialangeboten. Die Grüne Fraktion befürwortet vor diesem Hintergrund ausdrücklich, dass die Förderung der sechs Gesundheitszentren bis Ende 2030…
Frauengesundheit
Ambulante Versorgung gerechter verteilen – Rot-Grün will Bedarfsplanung stärker an den Stadtteilen ausrichten
Obwohl Hamburg in der ärztlichen Bedarfsplanung insgesamt als überversorgt gilt, sind die Praxen ungleich über die Stadt verteilt. SPD und Grüne wollen die ambulante Versorgung deshalb gerechter gestalten . Der Senat soll gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg auf eine stärkere Nutzung bestehender Steuerungsmöglichkeiten hinwirken und sich auf Bundesebene für eine kleinräumigere Bedarfsplanung einsetzen. Ziel ist…