Im Jahr 2023 wurden laut Bundeskriminalamt 360 vollendete Tötungsdelikte durch (ehemalige) Partnerinnen und Partner registriert. Auch im vergangenen Jahr ist die Gewalt gegen Frauen weiter angestiegen – das verdeutlicht das vergangene Woche veröffentlichte Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024“ des Bundeskriminalamtes. Besonders häufig eskaliert die Gewalt im Zusammenhang mit Trennungen der meist weiblichen Opfer. Allerdings werden Tötungen aus trennungsbedingten oder geschlechtsspezifischen Motiven bislang häufig nicht als Mord eingestuft. Die rot-grünen Regierungsfraktionen ersuchen den Senat daher, sich auf Bundesebene für eine Anpassung der Rechtslage einzusetzen. Ziel ist es, in § 211 StGB ein eigenes Mordmerkmal für geschlechtsspezifische Tatmotive zu verankern. Es soll den strukturellen, geschlechtsbezogenen Hintergrund dieser Taten ausdrücklich anerkennen und zu einer schuldangemessenen, härteren Bestrafung führen. Über den Antrag von SPD und Grünen entscheidet die Hamburgische Bürgerschaft am 26. November.
Dazu Lena Zagst, rechtspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „In vielen Gerichtsverfahren werden die wahren Hintergründe von tödlicher Gewalt gegen Frauen noch immer nicht ausreichend benannt. Wenn ein Ex-Partner eine Frau tötet, steckt dahinter häufig patriarchales Besitzdenken oder das Bedürfnis nach Kontrolle. Dennoch wird der Umstand einer Trennung in der Rechtsprechung teils so gewertet, als ob die Beweggründe des Täters weniger verwerflich seien. Das ist völlig inakzeptabel und verkennt die Realität geschlechtsspezifischer Gewalt. Wir brauchen eine klare Benennung dieser Tatmotive im Strafgesetzbuch, damit sichtbar wird: Hier geht es nicht um ‚Beziehungsdramen‘, sondern um strukturelle Gewalt gegen Frauen. Nur wenn diese Dimension ausdrücklich anerkannt wird, können Täter angemessen bestraft werden – und der Staat sendet ein klares Signal gegen patriarchale Gewalt. Denn am Ende geht es um nichts weniger als darum, Frauen besser zu schützen. Die aktuelle Rechtslage bleibt dahinter zurück. Genau deshalb wollen wir den Prozess für eine entsprechende Gesetzesänderung anstoßen.“
Dazu Sarah Timmann, justizpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Fast jeden Tag findet in Deutschland ein Femizid statt. In der überwältigenden Zahl der Fälle werden Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet – hinzu kommen hunderte versuchte Taten. Trotz dieser erschreckenden Zahlen reicht die derzeitige Rechtslage nicht aus, um der besonderen Qualität dieser Tötungen gerecht zu werden. Gerade bei Intimpartner:innen- und Trennungstötungen fehlt es bis heute an einer einheitlichen und konsequenten strafrechtlichen Bewertung – auch weil das bestehende Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe hohe Anforderungen stellt und in der Praxis teilweise Argumentationsmuster fortwirken, die patriarchale Dynamiken ausblenden. Mit einem eigenen Mordmerkmal für geschlechtsspezifische Tatmotive wollen wir den Schutz von Frauen vor patriarchaler Gewalt stärken und der Verharmlosung von Femiziden als bloße ‚Beziehungsdramen‘ entschieden entgegentreten. Wenn eine Frau getötet wird, weil sie eine Frau ist, handelt es sich um einen Femizid – und das müssen wir klar benennen.“
Den Antrag zur Pressemitteilung finden Sie hier.


Neuste Artikel
Wirtschaft
Siegerentwurf für neue Köhlbrandbrücke vorgestellt – Botzenhart: „Zentraler Baustein für den Hafen und Wahrzeichen für die Stadt“
Der heute vorgestellte Entwurf für die neue Köhlbrandbrücke überzeugt auf voller Linie: Eine moderne, leistungsfähige Brücke, die den Hafen langfristig stärkt und zugleich das Zeug zum neuen Hamburger Wahrzeichen hat. Dazu Eva Botzenhart, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg und Jurymitglied: „Der Siegerentwurf für die neue Köhlbrandbrücke überzeugt voll und ganz und weist die Richtung für…
Flucht
Für Fortsetzung der Bundesfinanzierung – Rot-Grün will unabhängige Asylverfahrensberatung sichern
Rot-Grün macht sich für den dauerhaften Erhalt der unabhängigen Asylverfahrensberatung stark. Mit einem gemeinsamen Antrag setzen sich die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen dafür ein, dass die Finanzierung der Beratung auch künftig durch den Bund fortgeführt wird. Die unabhängige Asylverfahrensberatung unterstützt Schutzsuchende dabei, ihre Rechte und Pflichten im Verfahren zu kennen, und trägt zugleich zu…
Gesundheit
Stärkung von Standort Bergedorf und UKE-Campus – Görg: „Hamburg zeigt Weitsicht bei der Gesundheitsversorgung“
Mit den heute unterzeichneten Letters of Intent bekräftigt der Senat ein zentrales Vorhaben für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung: Die Standorte Bergedorf und der neue UKE-Campus sollen ihren Stärken entsprechend weiterentwickelt werden für eine bestmögliche Behandlung von Patient*innen. Besonders erfreulich ist aus Sicht der Grünen Fraktion die geplante Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im neuen Stadtteil Oberbillwerder…
Ähnliche Artikel
Rechtspolitik
Städtische Unternehmen – Rot-Grün will digitale Kommunikation mit Gerichten verbindlich festschreiben
Die Kommunikation städtischer Unternehmen mit den Hamburger Gerichten erfolgt häufig noch analog und muss aufwendig digitalisiert werden. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich daher dafür ein, die Kommunikation städtischer Unternehmen mit den Gerichten verbindlich auf digitale Verfahren umzustellen und so die Justiz spürbar zu entlasten. Künftig sollen städtische Unternehmen ausschließlich elektronische und sichere…
Rechtspolitik
Entlastung für Beschäftigte – Heilfürsorge für den Justizvollzug kommt
Beschäftigte im Justizvollzug leisten täglich unter hohen körperlichen und psychischen Belastungen einen unverzichtbaren Beitrag für die öffentliche Sicherheit und Resozialisierung von Gefangenen. Anders als Polizei und Feuerwehr hatten sie bislang keinen Zugang zur Heilfürsorge. Mit einem interfraktionellen Antrag wollen die Fraktionen von SPD, CDU, Grünen und Linken das ändern und die Heilfürsorge auf den Justizvollzugsdienst…
Rechtspolitik
Jeder Femizid ist einer zu viel – Geschlechtsspezifische Gewalt bekämpfen, Selbstbestimmung von Frauen stärken
In ihrer heutigen Aktuellen Stunde debattiert die Hamburgische Bürgerschaft über Gewalt gegen Frauen. Das am 21. November vom Bundeskriminalamt veröffentlichte Lagebild verdeutlicht, dass auch im vergangenen Jahr die polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen weiter zugenommen hat. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen hatten das Thema unter dem Titel „Jeder Femizid ist einer zu viel: Geschlechtsspezifische…