Auch in Zeiten der Krise muss sichergestellt sein, dass die sozial-ökologische Wende weiter vorankommt. Eine wichtige Rolle nimmt hier vor allem die Wissenschaft ein, die die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen mit ihrem Haushaltsantrag zum Doppelhaushalt 2023/24 weiter stärken wollen. Vorgesehen ist für die nächsten zwei Jahre unter anderem, die Defizite des Hamburger Studierendenwerks vollständig auszugleichen, nachhaltige Hochschulgastronomie zu fördern, kritische Wissenschaft zu unterstützen und einen Lehramtsstudiengang „Theater“ einzuführen (siehe Anlage). Die Hamburgische Bürgerschaft stimmt im Rahmen ihrer Haushaltsberatungen vom 13. bis 15. Dezember über die Haushaltsanträge und den Gesamthaushalt ab.
Dazu Miriam Block, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „In Zeiten multipler Krisen bleiben wir in der Wissenschaft nicht nur bei der Bestandserhaltung angesichts steigender Kosten. Viel eher gehen wir noch einen großen Schritt weiter und treiben die sozial-ökologische Wende weiter voran. Wissenschaft ist sowohl selbst relevante Treiberin für eine verantwortungsvolle, sich transformierende Gesellschaft als auch ein Ort, an dem der Wandel konkret umgesetzt wird. Wir beauftragen den Senat deshalb einerseits damit, das vollständige Defizit des Studierendenwerks aus 2023 und 2024 zu übernehmen und damit jegliche Preissteigerungen bei Beiträgen, in Mensen und in Wohnheimen zu verhindern. Anderseits geben wir den Maßnahmen zur nachhaltigen Hochschulgastronomie eine Anschubfinanzierung in Höhe von 200.000 Euro. Darüber hinaus ist ein Beitrag geplant zu kulturellen und kritischen Wissenschaften, die Machtstrukturen und soziale Ungleichheiten offenlegen. Dazu gehört konkret die Förderung der ‚Forschungsstelle (post-)koloniales Erbe‘ mit 300.000 Euro sowie die Einführung eines besseren Monitorings von unbefristet eingestellten und wissenschaftlich arbeitenden Frauen an Hochschulen. Damit können wir dann die geschlechtlichen Ungleichheitsverhältnisse besser erfassen. Mit 1,2 Millionen Euro ermöglichen wir zudem die Einführung eines theaterpädagogischen Studiums und damit wichtige kulturelle Teilhabe.“
Dazu Annkathrin Kammeyer, wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hamburg: „Wir halten Kurs in der Wissenschaft und bringen mit unserem Haushaltsantrag eine Reihe von Projekten voran, die wichtige Schwerpunkte setzen und alle Bereiche der Wissenschaft und Forschung in den Blick nehmen. Sowohl die Lebensgrundlagen von Studierenden wie Wohnen und Essen, als auch die Infrastruktur für Lehre und Forschung wird durch unsere Investitionen gefördert. Das Defizit des Studierendenwerks soll vollständig ausgeglichen werden, damit die Preise in Studierendenwohnheimen und Mensen gerade in diesen herausfordernden Zeiten nicht steigen. Zudem sollen 2.000 neue Wohnheimsplätze geschaffen werden, um kostengünstiges studentisches Wohnen für noch mehr Studierende zur Verfügung stellen zu können. Mit insgesamt 1,2 Millionen Euro etablieren wir einen grundständigen Lehramtsstudiengang Theater an der Universität Hamburg und sorgen so für einen großen Qualitätssprung beim pädagogisch wichtigen und inklusiv wirkenden Theaterunterricht an Hamburgs Schulen. Mit einer Kooperation von Uni Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater geht dieses vielversprechende Konzept damit endlich in die Umsetzung.“
Ausgewählte Schwerpunkte
Lehramtsstudium „Theater“ einführen
Rot-Grün finanziert mit insgesamt 1,2 Millionen Euro die Einführung eines grundständigen Lehramtsstudiengangs „Theater“. Theaterunterricht ist bereits seit 2011 fester Bestandteil des Lehrplans an Hamburger Schulen. Das Fach stärkt ganze Schulgemeinschaften und bietet insbesondere Schüler*innen, die sonst wenig Ausdrucksmöglichkeiten haben, eine Chance, sich zu artikulieren. So nimmt es bei den Herausforderungen der Integration und Inklusion eine wesentliche Aufgabe wahr. Zum Gelingen dieses Studiengangs beitragen wird auch die Kooperation zwischen der Universität Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater.
Kolonialismus und Hamburgs (post-)koloniales Erbe erforschen
Mit dem Antrag wird die Erforschung von Hamburgs (post-)kolonialem Erbe mit 300.000 Euro in den Jahren 2023/24 gestärkt. Bis heute finden sich neokoloniale Strukturen und Verhältnisse, in denen Länder des globalen Südens für die Zwecke der Industrienationen in wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit gehalten werden. Der Hamburger Hafen spielt in derartigen wirtschaftlichen Verflechtungen weiterhin eine Rolle, da dort zum Beispiel auch heute noch Ressourcen aus ehemaligen Kolonieländern umgeschlagen und so wirtschaftliche Abhängigkeiten aufrechterhalten werden. Es ist daher notwendig, Kolonialismus und auch Neokolonialismus wissenschaftlich aufzuarbeiten und das Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Studierendenwerk strukturell unterstützen
In den kommenden zwei Haushaltsjahren wird das Defizit des Studierendenwerks, das sich aus der Energiekrise und den Folgen des Ukraine-Kriegs ergibt, vom Senat ausgeglichen. Darüber hinaus werden dem Studierendenwerk pro Jahr 100.000 Euro zusätzlich bereitgestellt, um die Hochschulgastronomie nachhaltiger zu gestalten. Das Studierendenwerk ist zentraler Bestandteil der sozial-ökologischen Wende im Wissenschaftsbereich. Es bietet angehenden Akademiker*innen verhältnismäßig günstige Wohnmöglichkeiten sowie preiswerte Mensa- und Beratungsangebote. Auf diese Weise sorgt das Studierendenwerk dafür, dass auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln unabhängig von ihrer Herkunft ein Studium erfolgreich absolvieren können.
Frauenanteil in der Wissenschaft erhöhen
Der Anteil von Frauen unter den befristet Beschäftigten in der Wissenschaft übersteigt den Frauenanteil bei den unbefristet Beschäftigten deutlich. Daher ist es angebracht, zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsverhältnissen zu differenzieren und den Frauenanteil an unbefristeten Stellen über eine neue Kennzahl zu messen. Dabei gilt auch hier die politische Zielsetzung, dass zukünftig mindestens 50 Prozent der unbefristeten Stellen auf Frauen entfallen sollen. In der Hochschullandschaft hat sich dafür das sogenannte Kaskadenmodell eines schrittweisen Aufwuchses etabliert. Deshalb will Rot-Grün in den Kennzahlen schrittweise vorgehen und die Hochschulen unterstützen. Im Einzelplan 3.2. wird in der Produktgruppe „Grundsatz Hochschulen“ die Kennzahl „Frauenanteil am unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen und künstlerischen Personal an Hochschulen in Trägerschaft des Landes“ (in Prozent) eingeführt und für die Jahre 2023 und 2024 mit einem Planwert von 40,0 angegeben.


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