Zur frühzeitigeren Verfolgung des Infektionsniveaus und mutierten Varianten sowie zur besseren Lokalisierung von Corona-Infektionen bringen die rot-grünen Regierungsfraktionen ein Abwassermonitoring auf den Weg. Ein entsprechender Antrag wird zur kommenden Bürgerschaftssitzung eingereicht. Da sich genetische Reste des Corona-Virus im Abwasser nachweisen lassen und die Konzentration dieser Reste dabei in Beziehung zur Zahl der Corona-Fälle im jeweiligen Einzugsgebiet steht, kann ein solches Abwassermonitoring als Frühwarnsystem in der Bekämpfung der Pandemie fungieren. Zunächst geht es um eine zentrale Messung der städtischen Gesamtinfektionslage im Zentralklärwerk Köhlbrandhöft/Dradenau. In einer möglichen Ausbaustufe soll gegebenenfalls eine dezentrale Messung zum Schutz besonders gefährdeter Einrichtungen und zur besseren Lokalisierung von Infektionen erfolgen.
Dazu Johannes Müller, Fachsprecher für Innovation in der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Ein Frühwarnsystem zur Identifizierung lokaler Corona-Ausbrüche kann ein weiterer entscheidender Faktor im Kampf gegen die Pandemie sein. Mit einem Abwassermonitoring ist es möglich, ein steigendes beziehungsweise fallendes Infektionsgeschehen vier bis sieben Tage früher zu entdecken als durch reine Individualtests. Auch können Dunkelziffern genauer abgeschätzt und vorhandene Mutanten früher erkannt werden. All diese Daten sind für die wirksame Eindämmung des Corona-Virus von unschätzbarem Wert. Wir werden deshalb prüfen, wie ein solches Messsystem in die Hamburger Infrastruktur passen kann. Die Niederlande testen schon seit mehreren Jahren das Abwasser auf genetische Reste von Viren. So war es möglich, das Coronavirus noch vor den ersten durch PCR-Individualtests entdeckten Infektionen nachzuweisen. Die EU Kommission empfiehlt den Mitgliedsstaaten die Umsetzung eines solchen Viren-Monitorings im Abwasser. In Deutschland wurden bereits diverse Voruntersuchungen durchgeführt und in Berchtesgaden ein operatives System umgesetzt.“
Dazu Alexander Mohrenberg, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Eine Pandemie muss vielschichtig angegangen werden und keine Daten dürfen dabei ungenutzt bleiben. Im Abwasser können spezifische Virusvarianten nachgewiesen werden – das kann einen erheblichen Mehrwert in der Bekämpfung der Pandemie hervorrufen. Wenn wir das Abwassermonitoring als Frühwarnsystem für lokale Ausbrüche einsetzen, gewinnen wir dadurch vor allem Zeit. Individualtests werden meist erst bei Symptomen durchgeführt und bis ein Ergebnis vorliegt, vergehen mehrere Tage. Bei einem stetigen Monitoring des Abwassers erhalten wir schnelle Ergebnisse und auch Virusmutationen können früh nachgewiesen werden. Es gilt nun zu prüfen, inwiefern in der Hamburger Infrastruktur die Voraussetzungen für eine solche Testung vorliegen. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, unabhängig von den vielen Testangeboten Daten zu erfassen und somit annäherungsweise die Dunkelziffer greifbarer zu machen. Letztendlich können mit Hilfe eines Abwassermonitorings Lockerungen kontrolliert und mit einem geringeren Risiko erfolgen.“


Neuste Artikel
Integration
Zulassungsstopp für Integrationskurse – SPD, Grüne und Linke fordern die Bundesregierung zur Kehrtwende auf
Sprache ist ein zentraler Schlüssel für eine erfolgreiche Integration in Deutschland. Der von Bundesminister Dobrindt angekündigte Zulassungsstopp zu Integrationskursen schafft das Gegenteil und erschwert vielen Menschen, die in Deutschland ein neues Zuhause gefunden haben, die Integration in den Arbeitsmarkt und das gesellschaftliche Leben. Aus Hamburg formiert sich deutlicher Protest gegen diesen Vorstoß: In einem gemeinsamen…
Carearbeit Equal Pay Day Gleichberechtigung
Equal Pay Day und Equal Care Day – Alam: „Hier geht es nicht um individuelle Leistung, sondern um strukturelle Ungleichheit“
Am 27. Februar ist „Equal Pay Day“. Der Aktionstag markiert seit 2008 symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Sie liegt in Hamburg – unbereinigt – bei 17 Prozent und somit noch einen Prozentpunkt höher als im Bundesdurchschnitt. Bereinigt liegt sie bei sieben Prozent (Bund: sechs Prozent). Damit zählt Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa….
Fraktionsvorstand
Bundesregierung plant neues Gebäudeenergiegesetz – Gwosdz: „Kampfansage an die Planungssicherheit“
Die Bundesregierung schafft mit ihren Eckpunkten für ein neues Gebäudeenergiegesetz vor allem große Verunsicherung. Der Entwurf schwächt die Planungssicherheit, sorgt für verdeckte Kosten und torpediert die Wärmewende. Leidtragende sind Menschen, die zur Miete wohnen, ebenso wie Hausbesitzer*innen, Unternehmen und das Handwerk. Dass Dennis Thering sich von diesem energiepolitischen Rollback mehr Klarheit verspricht, offenbart vor allem…
Ähnliche Artikel
Corona
Corona-Pandemie: Rot-Grün lässt Maßnahmen auslaufen
Am 30. März haben die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen mit einem Bürgerschaftsbeschluss die Gefahr einer sich dynamisch ausbreitenden Infektionslage durch das Coronavirus formal festgestellt und damit eine befristete Fortführung erweiterter Basisschutzmaßnahmen durch den Senat für rund einen Monat ermöglicht. Dieses betraf die Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen und im Einzelhandel sowie die…
Corona
Abgelehnter Eilantrag gegen Corona-Maßnahmen – Jasberg: „Haben vorausschauend und rechtssicher agiert“
Ein Antrag der AfD gegen die vor zwei Wochen in der Bürgerschaft auf den Weg gebrachten Corona-Maßnahmen wurde durch das Hamburger Verwaltungsgericht abgelehnt. Die Maskenpflicht in Innenräumen und Zugangsbeschränkungen bei den sogenannten Tanzlustbarkeiten bleiben also weiterhin bestehen und enden wie vorgesehen am 30. April dieses Jahres. Dazu Jennifer Jasberg, Vorsitzende der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Dass der Antrag…
Corona
Bürgerschaft bringt Schutzmaßnahmen auf den Weg – Jasberg: „Ausgewogenes Paket zum Schutz der Gesundheitsversorgung“
Mit den heute beschlossenen Basisschutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat die Hamburgische Bürgerschaft eine wichtige Grundlage für den Schutz des Gesundheitssystems in den kommenden Wochen geschaffen. Die Grüne Bürgerschaftsfraktion hatte sich hier für eine Lösung mit Augenmaß und klarem Enddatum über den 2. April hinaus stark gemacht. Durch die gestiegene Belastung der Normalstationen ist das…