Die Hamburgische Bürgerschaft berät in ihrer heutigen Sitzung über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die politischen Instrumente der direkten Demokratie in Hamburg. Die Fraktionen von SPD, Grünen und CDU haben hierzu einen gemeinsamen Gesetzentwurf eingebracht, mit dem die gesetzlichen Fristen für das Sammeln von Unterschriften für landesweite Volksinitiativen und Bürgerbegehren auf Bezirksebene während hamburgweiter Versammlungs- und Veranstaltungsverbote teilweise ausgesetzt werden sollen.
Dazu Sina Imhof, Abgeordnete der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Gerade in Krisenzeiten muss die Ausübung von Grundrechten und die Garantie demokratischer Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger in besonderer Weise gewährleistet sein. Die Coronapandemie stellt die vielen Bürgerinitiativen auf Landes-, und Bezirksebene vor eine schwierige Situation. Durch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens können die Initiatorinnen und Initiatoren nicht in gewohntem Umfang für ihre Sache im öffentlichen Raum werben, von ihrem Anliegen überzeugen und Unterschriften sammeln. Mit unserem Antrag stellen wir sicher, dass die politischen Anliegen der Hamburgerinnen und Hamburger den politischen Betrieb und die Öffentlichkeit erreichen. Die Berechnung von Fristen für das Zustandekommen von Volksinitiativen wird der aktuellen Krisenlage angepasst. Damit bleibt Hamburg ein bundesweiter Vorreiter bei der direkten Bürgerbeteiligung.“
Dazu Olaf Steinbiß, Verfassungsexperte der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Durch die aktuellen coronabedingten Beschränkungen des öffentlichen Lebens sind auch die Möglichkeiten von Volksinitiativen und Bürgerbegehren beeinträchtigt, für ihre politischen Ziele öffentlich zu werben, Diskussionen zu führen und Unterschriften zu sammeln. Diesem Umstand tragen wir mit den gesetzlichen Änderungen Rechnung, indem wir die Zeit verlängern, die den Initiativen für die Unterschriftensammlung zur Verfügung steht. Auch und gerade in Krisenzeiten haben wir die ganze Stadt im Blick. Dazu gehört auch Schwächungen unseres demokratischen Systems zu verhindern und die Instrumente direkter Demokratie zu schützen.“
Dazu André Trepoll, verfassungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Wir bekämpfen das Virus und nicht die Bürgerbeteiligung. Die Abstands- und Kontaktbeschränkungen als zentrales Instrument der Eindämmung des Corona-Virus ist für die demokratische Teilhabe auf allen Ebenen eine große Herausforderung. Davon sind insbesondere auch Initiativen betroffen, die jetzt seit Wochen keine notwendigen Unterschriften für Bürger- und Volksbegehren mehr sammeln können. Eine Benachteiligung, die eine pragmatische Lösung braucht. Daher macht es Sinn, in Ausnahmefällen, wie jetzt während der Coronakrise, die Frist zur Sammlung von Unterschriften einfach entsprechend zu verlängern. Das ist demokratisch geboten und aus unserer Sicht der richtige Weg.“


Neuste Artikel
Antisemitismus Erinnerungskultur Religion
Gedenken zum 7. Oktober – Gwosdz: „Wir müssen Antisemitismus in jeglicher Form bekämpfen“
Der Terroranschlag der Hamas auf den Staat Israel jährt sich bereits zum dritten Mal. Am 7. Oktober 2023 wurden mehr als 1200 Menschen getötet, viele weitere als Geiseln verschleppt. Es war das größte Massaker an Jüdinnen und Juden seit der Shoa. Das Gedenken ist zugleich eine Mahnung, im Kampf gegen Antisemitismus nicht nachzulassen und für…
Schule
Ukrainisch im Abitur: Rot-Grün will neue Prüfungsmöglichkeit schaffen
Mit einem gemeinsamen Antrag bringen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen die Einführung von Ukrainisch als Abiturprüfungsfach in Hamburg auf den Weg. Dazu soll die Schulbehörde einen Rahmenplan erarbeiten. Zudem soll die Anerkennung auf Bundesebene vorangetrieben und die Verfügbarkeit ausreichend qualifizierter Lehrkräfte sichergestellt werden (siehe Anlage). Bislang kann Ukrainisch in der Oberstufe bereits belegt, aber…
E-Mobilität
Ladeinfrastruktur in Hamburg – Domm: „Hamburg verdoppelt die Zahl öffentlicher Ladepunkte und macht E-Mobilität alltagstauglicher“
Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Hamburg mehr als verdoppelt: Von 2.931 im August 2024 auf 5.976 im August 2026. Daneben steigt auch die Nachfrage nach Elektroautos spürbar an: Im August 2026 waren bereits mehr als 20 Prozent aller neu zugelassenen PKW reine Elektroautos. Das geht aus…
Ähnliche Artikel
Verfassung
Bürgerschaftswahl 2025 – Zentrale Briefwahlstelle für höhere Wahlbeteiligung
Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen planen für die Bürgerschaftswahl 2025 die Einrichtung einer zentralen Briefwahlstelle. Damit soll die Wahlbeteiligung erhöht und die Briefwahl erleichtert werden. Schon bei der Bürgerschaftswahl im Jahr 2020 hatten Wählende in Hamburg die Möglichkeit in einer zentralen Wahldienststelle am Gerhart-Hauptmann-Platz ihre Briefwahlunterlagen zu beantragen und ihren Stimmzettel direkt vor Ort…
Verfassung
Karlsruhe-Urteil zur NPD-Finanzierung – Zagst: „Die Schutzmechanismen der wehrhaften Demokratie funktionieren“
Das Bundesverfassungsgericht hat heute den Ausschluss der NPD, die sich inzwischen „Die Heimat“ nennt, aus der staatlichen Teilfinanzierung bestätigt. Die Grüne Fraktion Hamburg begrüßt die wegweisende Entscheidung aus Karlsruhe. Das Urteil hat nicht nur Auswirkungen auf die staatliche Teilfinanzierung der rechtsextremen Partei. Es führt auch dazu, dass steuerliche Begünstigungen wegfallen, etwa bei Schenkungen und Spenden…
Justiz
Am Hamburgischen Verfassungsgericht – Rot-Grün senkt Mindestalter für Richter*innen
Richter*in am Hamburgischen Verfassungsgericht können bisher nur Menschen werden, die mindestens 40 Jahre alt sind. Hamburg hat damit im bundesweiten Vergleich ein relativ hohes passives Wahlalter für dieses Amt. Um künftig auch jüngere Verfassungsrichter*innen für eine solch wichtige Aufgabe gewinnen zu können, setzen sich die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen für eine Senkung des Wahlalters…