In Hamburg wird erstmals ein Generikum zur HIV-Prophylaxe in einer Apotheke erhältlich sein. Das im Vergleich zum Originalmedikament deutlich günstigere Produkt mit gleichem Wirkstoff wird im Rahmen eines Pilotprojekts bundesweit in acht ausgewählten Apotheken angeboten. Dies geht aus der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Christiane Blömeke, hervor. Zwar können sich Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko bereits mit ärztlicher Verordnung für ein bestimmtes HIV-Medikament vor einer Infektion schützen. Da die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Medikament zur präventiven Einnahmen jedoch nicht übernehmen, war die Prophylaxe bislang unerschwinglich.
Christiane Blömeke, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion dazu: „Die HIV-Prophylaxe trägt dazu bei, HIV-Infektionen zu vermeiden. Daher freue ich mich, dass sich auf diesem Gebiet etwas tut: Endlich ist das Medikament erschwinglich und auch in Hamburg haben Menschen mit hohem HIV-Infektionsrisiko die Möglichkeit, relativ kostengünstig in einer Apotheke die Prophylaxe zu bekommen. Es ist gut, dass die Apotheken, die am Pilotprojekt teilnehmen, bundesweit vernetzt sind und daher besonders gut beraten können. Neben der ärztlichen Begleitung durch die Verschreibungspflicht ist also auch eine qualifizierte Beratung in der Apotheke sichergestellt. Bedauerlich ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Medikament bislang nur übernehmen, wenn bereits eine Infektion vorliegt. Es kann nicht sein, dass bei einer Risikogruppe gewartet wird, bis eine Krankheit auftritt, obwohl ein erprobtes Medikament auch präventiv wirkt. Das zeigt, dass es im Bereich der Prävention in unserem Gesundheitswesen noch viel zu tun gibt.“
Hintergrund:
Bei der „Prä-Expositions-Prophylaxe“ (PrEP) nehmen HIV-negative Menschen HIV-Medikamente ein, um eine Infektion zu verhindern. Die Wirksamkeit der PrEP ist nachgewiesen. Seit Oktober 2016 ist das Medikament Truvada ® in Europa als PrEP für Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko verordnungsfähig. Die Prophylaxe bietet vor allem jenen Menschen einen wirkungsvollen Schutz vor HIV, für die Kondome aus verschiedenen Gründen keine praktikable Möglichkeit sind. Eine ärztliche Begleitung ist bei der Anwendung der HIV-PrEP unbedingt angeraten, da mit der Einnahme auch Risiken verbunden sind. Die Kosten betrugen bislang 600 bis 800 Euro pro Monatspackung. Nun soll es die HIV-PrEP als Generikum für gut 50 Euro pro Monat geben.


Neuste Artikel
Rechtspolitik
Aktuelle Stunde – Zagst: „Wir brauchen ‚Nur Ja heißt Ja‘ im Sexualstrafrecht und bekämpfen Femizide“
In der heutigen Sitzung debattiert die Bürgerschaft auf Anmeldung der Grünen Fraktion eine Reform des Sexualstrafrechts. Die Grüne Fraktion setzt sich klar für das Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ und die konsequente Bekämpfung von Femiziden ein. Ziel ist ein Strafrecht, das Betroffene besser vor sexualisierter und patriarchaler Gewalt schützt und geschlechtsspezifische Motive bei Tötungsdelikten stärker…
Klimaschutz
Klima-Schätzbilanz 2025 – Alam: „Bilanz ist für uns Ansporn – ambitionierter Klimaschutz bleibt eine gemeinsame Aufgabe“
Heute hat der Hamburger Senat die CO₂-Schätzbilanz für das Jahr 2025 veröffentlicht. Diese erstmalige Bilanz zeigt, dass die klimaschädlichen Emissionen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent angestiegen sind. Insgesamt kam Hamburg 2025 auf rund zwölf Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Die jährlichen Schätzbilanzen sind ein Ergebnis des erfolgreichen Zukunftsentscheids im vergangenen Herbst. Sie…
Klima Klimaschutz
Erste CO₂-Schätzbilanz für Hamburg 2025 – Domm: „Die ganze Stadt muss noch entschlossener handeln“
Laut der vorgelegten Schätzbilanz für Hamburgs CO2-Emissionen im Jahr 2025 sind die Emissionen aus dem Endenergieverbrauch in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr 2024 um etwa 2,6 Prozent gestiegen. Der Anstieg geht insbesondere auf einen gestiegenen Verbrauch von Erdgas, Fernwärme und Strom zurück, der unter anderem durch den kälteren Winter bedingt war. Die vorgelegte Schätzbilanz ist…
Ähnliche Artikel
Gesundheit
Stärkung von Standort Bergedorf und UKE-Campus – Görg: „Hamburg zeigt Weitsicht bei der Gesundheitsversorgung“
Mit den heute unterzeichneten Letters of Intent bekräftigt der Senat ein zentrales Vorhaben für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung: Die Standorte Bergedorf und der neue UKE-Campus sollen ihren Stärken entsprechend weiterentwickelt werden für eine bestmögliche Behandlung von Patient*innen. Besonders erfreulich ist aus Sicht der Grünen Fraktion die geplante Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im neuen Stadtteil Oberbillwerder…
Gesundheit
Eröffnung der psychiatrischen Schwerpunktambulanz in der Repsoldstraße – Görg: „Obdachlose Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten hier endlich gezielt Unterstützung“
Am 1. April eröffnet die psychiatrische Schwerpunktambulanz in der Repsoldstraße 27. Damit schafft Hamburg ein wichtiges Angebot für psychisch erkrankte, suchtkranke und obdachlose Menschen, die bislang kaum Zugang zu psychiatrischer Versorgung hatten. Im September 2025 wurden in der Repsoldstraße 27 bereits 30 Übergangsplätze für Menschen, die von Sucht und Wohnungslosigkeit betroffen sind, eingerichtet. Die Schwerpunktambulanz…
Gesundheit
Stadtteilklinik Wilhelmsburg – Rot-Grün treibt pragmatische Standortlösung voran
Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich für zügige Fortschritte bei der Realisierung einer neuen Stadtteilklinik in Wilhelmsburg ein und treiben eine pragmatische Klärung der Standortfrage voran. Die Fraktionen ersuchen den Senat, ergänzend zum bisherigen Fokus auf Groß-Sand auch alternative Flächen im Stadtteil zu prüfen, um die medizinische Versorgung bedarfsgerecht und zügig auszubauen. Über…