Heute wurde die Volksinitiative „Hamburger Volksentscheid gegen Pflegenotstand im Krankenhaus“ angemeldet. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich für ein starkes Pflege-Personaltableau ein, sehen aber den Forderungskatalog der Initiative kritisch.
Dazu Christiane Blömeke, gesundheits- und pflegepolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Ohne Frage ist es wichtig, sich für mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern einzusetzen. Wir Grüne sehen darin eine besondere Verpflichtung. Deshalb ist es ein guter erster Schritt, dass ab dem 1.Januar 2019 bundesweit in allen Krankenhäusern Personaluntergrenzen in der Pflege gelten werden. Ob diese Grenzen richtig gezogen sind, werden wir als Grüne bewerten, wenn sie vorliegen. Klar ist schon jetzt, dass diese schneller eingeführt werden, als die von der Volksinitiative geforderten Verbesserungen. Gleichzeitig wird die Übernahme der Mehrkosten durch die Krankenkassen bundeseinheitlich geregelt. Diese wichtige Entwicklung auf Bundesebene lässt die Initiative aber links liegen und fordert jetzt Extra-Standards für Hamburg. Dabei erweist die Initiative ihrem eigenen Anliegen eher einen Bärendienst, wenn sie den Druck auf die jetzt Verhandelnden – die Krankenkassen und die deutsche Krankenhausgesellschaft – rausnimmt und auf die Länder verlagert.
Der Vorschlag ist zudem verfassungsmäßig bedenklich, denn die Länder können das Bundesrecht nicht brechen. Sie können die Personalvorgaben des Bundes nur dort ergänzen, wo der Bund seine Kompetenzen nicht wahrnimmt. Der Vorschlag der Initiative stünde aber in klarer Konkurrenz zu den dann geltenden Personaluntergrenzen. Zudem wird das Kopplungsverbot bei dieser Volksinitiative verletzt. Das heißt, es werden Sachverhalte ohne direkten Zusammenhang gemeinsam vorgebracht: Personalbemessung, Investitionsbedarf und die Art der Beschäftigung des Reinigungspersonals in Kliniken haben, wenn überhaupt, nur indirekt etwas miteinander zu tun. Und zu all dem ist die Kostenfrage vollkommen ungeklärt. Die Hamburger Krankenhäuser könnten am Ende in eine schwere Schieflagen geraten, wenn die Krankenkassen die Hamburger Sonderregelung nicht bezahlen. Die Aussicht auf bundesweite, solide finanzierte Personaluntergrenzen ist weit besser, als eine verfassungsrechtlich und finanziell sehr wackelige Hamburger Insellösung.“
Dazu Sylvia Wowretzko, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Wir verfolgen alle das gleiche Ziel. Wir brauchen mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern und eine Entlastung der Pflegekräfte. Eine qualifizierte Pflege ist für das Wohl und die Gesundheit von Patentinnen und Patienten von großer Bedeutung. Um dieses Ziel zu erreichen hat die SPD bereits viele Maßnahmen auch auf Bundesebene umsetzen können. Zum 1.1.2019 werden bundesweit Personaluntergrenzen für die Pflege im Krankenhaus in Kraft treten. Das ist bereits Gesetz. Im Koalitionsvertrag auf Bundesebene wurde nicht zuletzt auf Hamburger Initiative zudem durchgesetzt, dass dies für alle bettenführenden Stationen gelten muss. Zudem sollen die Personalkosten für die Pflege aus dem Pauschalsystem herausgelöst und ihre zielgerichtete Verwendung für das Pflegepersonal sichergestellt werden. Die Finanzierung von zusätzlichem Pflegepersonal in den Krankenhäusern wurde über Bundesprogramme gefördert. Allerdings müssen auch Ausbildungsanstrengungen und eine nachhaltige Verbesserung des Berufsbildes, der Arbeitsbedingungen und der Entlohnung sowie eine stringente Fachkräftestrategie dazu kommen, um Menschen für diesen Beruf zu begeistern.
Wir investieren bereits jetzt in die Hamburger Krankenhäuser und stellen damit weiterhin eine medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger auf höchstem Niveau sicher. Hamburg belegt Jahr für Jahr einen Spitzenplatz bei den Krankenhausinvestitionen in Deutschland. Die von der Volksinitiative angestrebte Verankerung von Personaluntergrenzen im Hamburger Krankenhausgesetz wirft aus meiner Sicht eher rechtliche und finanzielle Fragen auf, die bisher nicht beantwortet werden. Auch Beratungen in der Hamburgischen Bürgerschaft zu dieser Frage haben gezeigt, dass eine Gegenfinanzierung von Personaluntergrenzen im Bundesrecht abgesichert sein muss, damit sie wirksam ist. Wir brauchen aber wirksame Maßnahmen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.“


Neuste Artikel
Rechtspolitik
Aktuelle Stunde – Zagst: „Wir brauchen ‚Nur Ja heißt Ja‘ im Sexualstrafrecht und bekämpfen Femizide“
In der heutigen Sitzung debattiert die Bürgerschaft auf Anmeldung der Grünen Fraktion eine Reform des Sexualstrafrechts. Die Grüne Fraktion setzt sich klar für das Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ und die konsequente Bekämpfung von Femiziden ein. Ziel ist ein Strafrecht, das Betroffene besser vor sexualisierter und patriarchaler Gewalt schützt und geschlechtsspezifische Motive bei Tötungsdelikten stärker…
Klimaschutz
Klima-Schätzbilanz 2025 – Alam: „Bilanz ist für uns Ansporn – ambitionierter Klimaschutz bleibt eine gemeinsame Aufgabe“
Heute hat der Hamburger Senat die CO₂-Schätzbilanz für das Jahr 2025 veröffentlicht. Diese erstmalige Bilanz zeigt, dass die klimaschädlichen Emissionen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent angestiegen sind. Insgesamt kam Hamburg 2025 auf rund zwölf Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Die jährlichen Schätzbilanzen sind ein Ergebnis des erfolgreichen Zukunftsentscheids im vergangenen Herbst. Sie…
Klima Klimaschutz
Erste CO₂-Schätzbilanz für Hamburg 2025 – Domm: „Die ganze Stadt muss noch entschlossener handeln“
Laut der vorgelegten Schätzbilanz für Hamburgs CO2-Emissionen im Jahr 2025 sind die Emissionen aus dem Endenergieverbrauch in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr 2024 um etwa 2,6 Prozent gestiegen. Der Anstieg geht insbesondere auf einen gestiegenen Verbrauch von Erdgas, Fernwärme und Strom zurück, der unter anderem durch den kälteren Winter bedingt war. Die vorgelegte Schätzbilanz ist…
Ähnliche Artikel
Gesundheit
Stärkung von Standort Bergedorf und UKE-Campus – Görg: „Hamburg zeigt Weitsicht bei der Gesundheitsversorgung“
Mit den heute unterzeichneten Letters of Intent bekräftigt der Senat ein zentrales Vorhaben für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung: Die Standorte Bergedorf und der neue UKE-Campus sollen ihren Stärken entsprechend weiterentwickelt werden für eine bestmögliche Behandlung von Patient*innen. Besonders erfreulich ist aus Sicht der Grünen Fraktion die geplante Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im neuen Stadtteil Oberbillwerder…
Gesundheit
Eröffnung der psychiatrischen Schwerpunktambulanz in der Repsoldstraße – Görg: „Obdachlose Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten hier endlich gezielt Unterstützung“
Am 1. April eröffnet die psychiatrische Schwerpunktambulanz in der Repsoldstraße 27. Damit schafft Hamburg ein wichtiges Angebot für psychisch erkrankte, suchtkranke und obdachlose Menschen, die bislang kaum Zugang zu psychiatrischer Versorgung hatten. Im September 2025 wurden in der Repsoldstraße 27 bereits 30 Übergangsplätze für Menschen, die von Sucht und Wohnungslosigkeit betroffen sind, eingerichtet. Die Schwerpunktambulanz…
Gesundheit
Stadtteilklinik Wilhelmsburg – Rot-Grün treibt pragmatische Standortlösung voran
Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich für zügige Fortschritte bei der Realisierung einer neuen Stadtteilklinik in Wilhelmsburg ein und treiben eine pragmatische Klärung der Standortfrage voran. Die Fraktionen ersuchen den Senat, ergänzend zum bisherigen Fokus auf Groß-Sand auch alternative Flächen im Stadtteil zu prüfen, um die medizinische Versorgung bedarfsgerecht und zügig auszubauen. Über…